Ergebnis 1 bis 5 von 5

Thema: Langstrecken, Iron Butt Association

  1. #1
    Administrator Avatar von peter
    Registriert seit
    06.02.2010
    Beiträge
    748
    Blog-Einträge
    1
    Downloads
    57
    Uploads
    21

    Standard Langstrecken, Iron Butt Association

    Viele Harley Fahrer sind damit zufrieden, einmal im Jahr ein paar Alpenpässe unfallfrei bezwungen zu haben. Davon werden dann umfängliche Videos in Youtube und massig Heldenphotos ins Netz gestellt, die dieses Abenteuer für die Nachwelt angemessen dokumentieren sollen.

    Andere mögen Herausforderungen mit etwas mehr Biss.

    Eine ganz besondere Herausforderung ist das Fahren extrem langer Strecken in kurzer Zeit. Besondere Berühmtheit erlangte dabei die Iron Butt Association (IBA), welche diverse Langstreckenrallys in die Welt gerufen hat. Zum Beispiel 10.000 Meilen in 10 Tagen. Oder alle 48 amerikanischen Kontinentalstaaten in 10 Tagen. Das sind echte Extremtouren.

    Aber für den Start tun es auch kürzere Strecken. Diese Art von Langstreckenfahrten ist etwas für alle, die einfach nur gerne fahren. Ohne nölende Sozia, ohne unnötige Pinkel- oder Rauchpausen, ohne Poserphotos. Nur Fahren.


    Pro und Contra

    Natürlich ist es ein Stress für Fahrer und Material, was aber den Spass nicht ausschliesst. Wie man auch bei den meisten Sportarten sieht. Wenn man eine solche Strecke Nonstop gefahren ist, dann glaubt man nicht nur, dass die Maschine das ohne Probleme durchhält. Man weiss es. Das gleiche gilt für den Fahrer...

    Manche mögen Einwenden, dass sich das Motorradfahren nur durch langsames Cruisen erschliesst. Aber beides hat seinen Reiz. Wenn ich normal unterwegs bin, fahre ich öfter nicht mehr als eine Tankfüllung pro Tag. Durch ausgesuchte Landschaft, kleine Strassen, Panorama. Das drückt den Schnitt auf unter 30km/h.

    Das Gegenteil ist aber eben auch reizvoll. Und auch eine besondere Herausforderung. Mal einfach nur fahren, bis man genug hat. Das hat seine eigene Qualität.

    Natürlich wird man Müde. Und muss trotzdem noch sicher fahren. Wer sich das nicht zutraut, für den ist das nix. Aber wenn ich an den unzähligen Lastern vorbeifahre, relativiert sich das "besondere" daran. Diese Jungs machen das ihr Leben lang und verdienen ihr Geld damit (Fahrtenschreiber hin- oder her).

    Und man sieht unterwegs eine Menge von der Landschaft. Das Wetter ändert sich, die Farben und das Profil der Gegend. Sogar der Geruch. Am Ende der Fahrt ist man dann irgendwo in Europa, wo man sonst nicht hinkäme. Und kann von da aus wieder (gemütlich) die Heimreise antreten...


    Iron Butt Association Germany

    Die erste Adresse für Langstreckenfahrer ist die IBA Germany. Dort erfährt man alles über die ausgeschriebenen Wettbewerbe (Rides), die Teilnahmebedingungen und nützliche technische und organisatorische Information. Für Einsteiger sind folgende Rides geeignet:
    Übersicht über die Rides

    • Saddle Sore 1600K (1600 Kilometer in 24h)
    • Saddle Sore 2000K (2000 Kilometer in 24h)
    • Saddle Sore 1000 (1000 Meilen in 24h)
    • Saddle Sore 2000 (2000 Meilen in 48h)
    • Bun Burner 1500 (1500 Meilen in 36h)
    • Bun Burner 2500K (2500 Kilometer in 36h)


    Es gibt die meisten Rides als klassische Meilenversion und hier in Europa auch als Kilometerversion. Wobei der SS1600K in etwa dem SS1000 entspricht (1000 Meilen = 1610 Kilometer).

    Allen Rides ist gleich, dass man einen (oder manchmal auch mehrere) Zeugen jeweils bei Abfahrt und bei der Ankunft braucht, die mit Namen, Adresse, Telefon und evtl. E-Mail schriftlich bezeugen, dass man zu dem gegebenen Zeitpunkt vor Ort war. Zudem müssen die Strecken, besonders aber der Start und die Ankunft durch Tankbelege mit Ort und Zeitangabe belegt sein. Es geht auch der Beleg eines Geldautomaten.

    Natürlich müssen auch alle Tankbelege, die während der Fahrt anfallen, gesammelt, nummeriert und eingesandt werden. Gleiches gilt für Mautquittungen. Deshalb muss man sich vorher schon eine sichere und funktionierende Version einfallen lassen, wie man diese Belege sammelt und beschriftet. Es wird immer wieder von Fahrern berichtet, denen mitten in der Nacht an der Tankstelle die Belege mit dem Wind davongeflogen sind. Wäre mir auch mal fast passiert, als ich gleichzeitig tanken, essen und schreiben wollte. Dumm gelaufen.

    Man kann während einer Fahrt auch mehrere Rides absolvieren, wenn man schonmal auf dem Weg ist. Zum Beispiel den SS1000, dann fährt man weiter bis man auch den BB1500 absolviert hat. Jeder dieser Rides, auch wenn er auf einer Fahrt absolviert wurde, braucht seinen eigenen Zeugen und Beleg für die jeweilige Ankunft.

    Für die Anerkennung des Rides sendet man alle Belege zusammen mit einer einfachen Karte (Google Map gedruckt), welche den gefahrenen Weg dokumentiert, an die Iron But Association Germany. Dann überweist man auch noch die fällige Gebühr und bekommt nach Prüfung der Belege und der Strecke nach etwa 3-5 Wochen eine schöne Urkunde. Wenn man das erste Mal teilgenommen hat, erhält man auch seine IBA Mitgliedsnummer und ein Passwort, mit dem man dann auf der Homepage weitere Artikel (Anstecker, Aufnäher) erwerben kann, welche den bestandenen Ride öffentlich kundtun.

    Es kommt bei diesen Rides auch nicht darauf an, besonders schnell unterwegs zu sein. Nicht das Fahren mit der Höchstgeschwindigkeit bringt einen ans Ziel, sondern dass man seinen Schnitt hält. Wirklich Zeit fressen tun die Stops, nicht die 80km/h Zonen, in denen man mal langsamer unterwegs ist. Bei der SS1000 zum Beispiel hat man 24h Zeit für die 1600km. Das geht. Ohne Vollgas, sondern mit gemütlichen 120km/h Maximalgeschwindigkeit. Auch mit touristischen Pausen zwischendrin. Zum Beispiel bin ich in Südspanien nicht auf der Autobahn, sondern auf der Küstenstrasse gefahren. Und habe auch noch touristische Abstecher gemacht (Valencia: Museeninsel, Benidorm: das höchste Wohnhaus Europas, kam in Discovery..)


    Wenn man bereits einen der Anfängerrides bestanden hat, darf man sich auch für die fortgeschrittenen Rides bewerben:

    • Saddle Sore 3000 (3000 Meilen in 72h)
    • Saddle Sore 5000 (5000 Meilen in 120h)
    • Bun Burner Gold 1500 (1500 Meilen in 24h)
    • Bun Burner Gold 2500K (2500 Kilometer in 24h)
    • Bun Burner Gold 3000 (2 mal BBG 1500 in jeweils 24h)
    • ...

    Weitere Rides sind auf der Homepage der IBA zu finden. Die BBG Rides sind wirklich SEHR anspruchsvoll. Bei BBG1500 wird die Strecke, die ich in 33 Stunden bewältigt habe, in nur 24h bewältigt. Da darf nix schiefgehen, die Pausen sind kurz und es gibt keinen Spielraum für Sightseeing.


    Mein eigener Ride

    Ich hatte schon seit mehreren Jahren die Idee, so eine Langstreckenfahrt zu machen. Aber entweder war das Wetter schlecht, oder ich war mit einer Gruppe unterwegs, oder musste auch mal Arbeiten. Am 16.9.12 war es dann soweit. Es war ein ruhiger Sonntag Nachmittag und ich habe aus Langeweile mal die Laberecke des Milwaukee Forums durchgeblättert. Dann las ich einen Thread über Langstreckenwettbewerbe, in dem die IBA erwähnt wurde: Milwaukee V-Twin Forum - Community & Infos über Harley-Davidson - Herausforderungen - Swiss500, Antwerp500 - was gibts noch in Europa?.

    Das war um 16:00 Uhr. Bis 16:30 hatte ich im Netz die IBA Teilnahmebedingungen studiert und den Entschluss gefasst, nach Gibraltar zu fahren. Da war ich noch nie. Dann kurz bei WetterOnline festgestellt, dass sich die ganze restliche Woche eine stabile Hochdruckzone über Westeuropa halten wird. Kurz eine Karte rausgesucht, GPS grob programmiert, IBA Unterlagen ausgedruckt, Sachen gepackt und einen Zeugen für die Abfahrt gesucht. Um 19:00 war ich auf der Autobahn.


    Route nach Almendralejo, Spanien auf einer größeren Karte anzeigen

    Das Fahren in die Dunkelheit hinein war gerade das richtige. Ich arbeit oft Nachts und bin deshalb langes Aufbleiben gewöhnt. Bei Tagesanbruch war ich an der Spanischen Grenze. Dann eine kleine Schlafpause und weiter. Ich hatte ein paar Ziele, die ich mir unterwegs angeschaut habe. Die Museeninsel in Valencia, die Hochhäuser von Benidorm (mit Eis-Essen am Strand) und die Hütte (Schlosshotel?) meines früheren Kollegen in Motril/Südspanien.

    Trotzdem hatte ich nach 20 Stunden die ersten 1000 Meilen geschafft und auch einen Zeugen gefunden. Während der Fahrt habe ich mir überhaupt erst überlegt, dass ich ja nach Ankunft in Gibraltar so lange weiterfahren könnte, bis ich auch BB1500 erreiche. Zeit genug hatte ich ja für solche Überlegungen. Während der Fahrt kann man gemütlich über alles Nachdenken, was einem so in den Sinn kommt. Oder besser gleich in den meditativen Zustand ohne Gedanken und Emotionen übergehen. Reine Aufmerksamkeit. Ich hätte auch SS2000K knapp erfüllt (2000km in 24h), habe aber im vorgegebenen Zeitraster keinen Zeugen gefunden.

    Um 23:00 war ich in Gibraltar. Kurz getankt, durch Gibraltar gefahren, Felsen angeschaut, im Dunkeln keinen Affen gesehen und weiter nach Norden Richtung Sevilla. Weiter und immer weiter, bis ich die nötigen Kilometer zusammen hatte. Die zweite Nacht war sehr viel unangenehmer. Es war kalt, die Autobahn menschenleer, viele Tankstellen und Hotels an der Autobahn waren geschlossen. Um 4:00 Morgens fand ich nach dem Tanken endlich ein Hotel, das mir ein Zimmer geben wollte. Und der Nachtportier hat sich sogar als Zeuge zur Verfügung gestellt. Da hatte ich knapp 2600km auf dem Tages-Tachometer.

    Dann habe ich bis zum nächsten Mittag durchgeschlafen, ein gutes Frühstück zu mir genommen und bin gemütlich nach Hause gefahren. Für den Rückweg habe ich 4 Tage gebraucht/verschwendet/genossen.

    Der Lohn der ganzen Mühe waren zwei Urkunden und einen Kennzeichenhalter für Nummernschilder bis 200*200mm, bei dem der Text der IBA unten raussteht.

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	IBA BB1500.jpg 
Hits:	5555 
Größe:	54,6 KB 
ID:	1513Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	IBA SS1000.jpg 
Hits:	5506 
Größe:	57,8 KB 
ID:	1514 Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	IBA Schild.jpg 
Hits:	5642 
Größe:	81,7 KB 
ID:	1511


    Zudem bekommt man in der ewigen Hall of Fame sein Plätzchen eingetragen: The World Is Our Playground!: Hall of Fame

    Name:  hall fame.JPG
Hits: 5078
Größe:  52,8 KB



    Ich habe auch meine eigene Mitgliedsnummer erhalten: 55114. Mit dieser (und dem Passwort) kann man sich dann im Shop der IBA passende Patches, Pins und Aufkleber bestellen: Patches


    Tipps

    Grundsätzlich gilt, dass das Bike in einem technisch einwandfreien und gewarteten Zustand sein muss. Öl, Bremsen, Reifen, Batterie sind besonders sorgfältig zu prüfen. Es ist nützlich, vor der Fahrt den Tachometer mit Hilfe eines GPS geeicht zu haben. Oder zumindest sollte man wissen, wie hoch die tatsächliche Tachoabweichung ist. Die kann bis 5-10% betragen. Man muss dann also nicht nur 2000km fahren, sondern im Ernstfall 2200 Tachokilometer, um auf der sicheren Seite zu sein.

    Bei der nächsten Fahrt würde ich folgendes anders machen:


    • Auf den Urkunden wird der Start und Zielort genannt. Ich bin soweit gefahren, bis die Kilometer voll waren. Das war dann in Almendralejo, ein Nest das keiner kennt. Jetzt würde ich so planen, dass ich an einem Ort ankomme, den man auch auf der Landkarte findet.
    • Ich würde eine Strassenkarte ausdrucken und meinen Weg und die Position der Tankstellen schon beim Tankhalt markieren. Das nachträglich rauszusuchen ist lästig.
    • Ein Schreibbrett mit einer wetterfesten Tasche für die Belege.
    • Eine festinstallierte Kamera (GoPro), die alle 30 Sekunden ein Photo macht. Ich selber hatte keine Lust, den Photoapparat rauszuholen. Jetzt habe ich auch keine Photos von der Fahrt.
    • Die Abfahrtzeit würde ich so legen, dass ich Nachmittags ankomme, wenn man noch offene Hotels findet.
    • Die elektrisch beheizbare Weste würde ich nicht im Schrank lassen, sondern diesmal mitnehmen. Auch wenn es tagsüber heiss ist, können die Nächte kalt werden, und die kriechende Kälte fördert nicht gerade die Konzentration.
    • Einen einfachen Schlafsack und ein Kissen, die das kurze Schläfchen auf der Parkbank neben dem Bike bequemer machen.
    • Einen Weg finden, wie mein Android Handy alle 30 min meine Standortmeldung übermittelt. So könnten Freunde und Verwandte die Reise am Rechner mitverfolgen. Doppelter Spass.



    Rallies

    Die IBA Germany veranstaltet jedes Jahr eine sogenannte Rally. Das sind Langstreckenfahrten, bei denen nicht nur die gefahrenen Kilometer zählen, sondern man kann durch Anfahren (und Finden) von besonderen Wegpunkten zusätzlich Punkte sammeln. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt. Ich werde an den beiden folgenden Events selber teilnehmen und auch berichten.

    Im Jahr 2013 findet die RoadRunner Rally statt. Da werden 1600km in 24 Stunden gefahren. Man kann demnach bei diesem Event einen SS1000 oder den SS1600K absolvieren. Die Teilnehmerzahl ist auf 50 Teilnehmer beschränkt, die Startgebühr beträgt 60/85 Euro.
    The World Is Our Playground!: IBA Germany European Road Runner 2013

    Im Jahr 2014 gibt es dann ein ganz grosses Event. Die Iron Butt European Tour. Das geht dann über 5Tage und umfasst mehrere Europäische Länder. Die Startgebühr ist entsprechend höher, nämlich 370/420 Euro.
    The World Is Our Playground!: Iron Butt Association European Tour 2014

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	small_altered_europe.jpg 
Hits:	5000 
Größe:	17,8 KB 
ID:	1555


    Andere Veranstalter

    Es gibt auch andere Institutionen, die solche Rides anbieten. Oft auch in Form von Rallies, welche die Strecke durch ein Roadbook vorgeben, das dann abgefahren werden muss. Für das Finden der Zwischenziele gibt es extra Punkte. Solche speziellen Rides werden auch von der IBA Germany abgehalten.


    IBA USA

    Der IBA Dachverband in den USA veranstaltet auch extreme Rides, zu denen man sich anmelden kann, wenn man mal einen SS1000 oder Ähnliches absolviert hat. Rides wie Nordkap-Gibraltar in 72 Stunden setzen sogar einen BBG1500 voraus:
    IBA - World's Toughest Motorcycle Riders


    Swiss 500


    In der Schweiz wird jährlich die Swiss 500 abgehalten, also 500 Meilen (805km) in 24 Stunden. Durchaus auch für Anfänger geeignet. Man sollte sich aber von der (im Vergleich zu den IBA Veranstaltungen) kurzen Distanz nicht täuschen lassen. Hier ein kurzer Bericht eines ehemaligen Teilnehmers (User Wildcat):

    "Ich bin die swissmiles dieses Jahr gefahren, gemütlich war das ganze nicht. Die Strecke ist zu schaffen ohne große Hetze , das stimmt aber wenn man 10-12 Stunden und dann auch noch bei Nacht nur im Regen fährt ist das alles andere als gemütlich. Dabei war auch ein Pass über 2000 m mit Schnee , Nieselregen/schnee , Nebel und nasser glatter Fahrbahn. Strecken bei denen der komplette Fahrbahnbelag fehlten weil kurz vor der Rally die Strasse abgefräßt wurde und dann dort Schotter und Dreck lag. Kleine nette Sträßchen die eher ein Feldweg sind und dann immer wieder schauen ob noch alles mit dem vorgegebenen Roadbook übereinstimmt. Denke wenn man seinen eigenen Weg fahren kann kommt man in dieser Zeit viel weiter als die 500 meilen.

    Fazit: Es hat Spass gemacht und ich werde sicherlich wieder einmal daran teilnehmen.".

    Die Anmeldegebühr beträgt 60 CHF. Ich werde versuchen, 2013 daran teilzunehmen:Swiss 500


    Hoka Hey Motorcycle Challenge

    Hoka Hey ist ein Ausspruch des Sioux Häuptlings Crazy Horse und heist übersetzt "Es ist ein guter Tag zum Sterben". Übrigens genau wie das berühmte Klingonische Sprichwort: Heghlu'meH QaQ jajvam.

    Hier haben wir das andere Extrem, es geht um 7000 Meilen in 7 Tagen. Erschwerend kommt hinzu, dass man versteckte Zwischenziele finden muss und kein GPS oder Handy verwenden darf. Nur Landkarten und das Roadbook. Das Preisgeld liegt bei sagenhaften 500.000$. Dafür beträgt die Startgebühr auch 1000$. Die werden nicht zurückerstattet, auch wenn man unterwegs stirbt, was bisher in jedem Jahr einigen Teilnehmern zugestossen ist (ohne Scheiss). Also nur etwas für Profis, die wissen, was sie tun und riskieren. Hoka Hey Motorcycle Challenge

    "Clark W. Brown Jr.
    Without a doubt, this was the most intense and demanding motorcycle event I have ever endured. The multiple Iron Butts and cross country rides I have done were nothing compared to this extreme test of navigational skills, endurance and overall intestinal fortitude!."

    © 2012 Peter Viczena
    Geändert von peter (09.12.2014 um 11:54 Uhr)

  2. #2
    Administrator Avatar von peter
    Registriert seit
    06.02.2010
    Beiträge
    748
    Blog-Einträge
    1
    Downloads
    57
    Uploads
    21

    Standard AW: Harley Fahrtechnik,Iron Butt Association, 29 Regeln

    Dieser Artikel beruht auf dem berühmten Aufsatz: 29 Riding Tips aus dem Archive of Wisdom (AOW) der Iron Butt Association. AOW Listing.pdf

    Die ursprüngliche deutsche Übersetzung geht auf die Iron Butt Germany zurück (Februar 2010). AOW_GER.pdf

    Da sich die amerikanischen und die deutschen/europäischen Verhältnisse manchmal unterscheiden, habe ich in Kursiv meine eigenen Kommentare hinzugefügt.


    1. Kenne Deine Grenzen und beachte sie bei Deiner Planung!

    Wenn Deine höchste Tagesleistung bisher 500 km waren, dann plane nicht eine Fahrt, die sich über endlose 800 km hinzieht. Studien der Iron Butt Association weisen auf folgende Erkenntnis hin, die bei der Planung von Langstreckenfahrten berücksichtigt werden sollte:

    Abgesehen von wetterbedingten und anderen Problemen, wird sich die hohe Tageskilometerleistung des ersten und zweiten Tages vom dritten bis zum siebten Tag kontinuierlich verringern. Am siebten Tag wird der typische Langstreckenfahrer ungefähr nur noch 65% der Tageskilometerleistung einer Zweitagesfahrt komfortabel leisten können. Wenn die Profis bereits diesen Leistungseinbruch berücksichtigen, planst Du trotzdem hoch weiter?

    Weiterhin solltest Du die Möglichkeit größerer Abkürzungen in Deine Routenplanung mit einbeziehen. Solltest Du einmal hinter dem Zeitplan liegen, ist dies der einfachste Weg, um einen Teil Deiner Tour zu kürzen, ohne die gesamte Strecke zu beeinträchtigen. Es ist nicht von Bedeutung, ob Du in der Lage bist, 500 km oder 1600 km pro Tag zurückzulegen, die Leistungsfähigkeit, große Entfernungen zu meistern wird sinken, je länger die Fahrt dauert.

    Die größte Verringerung liegt zwischen den Tagen 3 bis 7, typische Iron Butt Fahrer schaffen danach etwa 65% der anfänglichen Tageshöchstleistung.


    2. Vergiss hohe Geschwindigkeiten!


    Vergiss was oft erzählt wird, in Wirklichkeit haben hohe Geschwindigkeiten und Langstreckenfahrten wenig gemein. Ein beständiger Fahrer kann mehr Kilometer zurücklegen, das Bergpanorama genießen und mehr kurvenreiche Strecken hinter sich lassen als ein Raser, der - gebückt über sein Motorrad - an einem Bergpass versucht, die beste Zeit herauszuholen.

    Neben den offensichtlichen Auswirkungen auf den Kraftstoffverbrauch, der vergeudeten Zeit, um nach einer Tankstelle zu suchen und der Müdigkeit, verursacht durch den Kampf mit dem Gegenwind, kann das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit einen teuren Strafzettel einbringen. Während Du am Straßenrand stehst und mit dem Polizeibeamten ein angeregtes Gespräch über Deinen Fahrstil führst, wird die "Schnecke auf seiner Honda 250" winkend an Dir vorbeiziehen und hinter den nächsten Kurven verschwinden.


    3. Lass Aufputschmittel und Kaffee zu Hause!

    Es ist ganz einfach: Aufputschmittel oder andere Stimulanzien wirken nicht! Wenn Du Aufputschmittel oder andere Drogen benötigst, um wach zu bleiben (die schwarze Liste der Iron Butt Association beinhaltet auch Kaffee und Cola), dann ist es Zeit, die Fahrt zu unterbrechen, um sich ausreichend ausruhen.

    Kaffee ist nicht geeignet, dich dauerhaft wach zu halten. Wenn man dagegen während der Fahrt darauf verzichtet und nur Wasser trinkt, dann kann ein Coffee-Shot während der letzten Stunden der Fahrt durchaus die Aufmerksamkeit fördern.


    4. Bereite Dein Motorrad für die Reise vor!


    Warum solltest Du unterwegs kostbare Zeit mit Reifenwechseln vergeuden? Anstatt auf der Reise die Reifen und Kette zu wechseln, nur um aus ihnen noch ein paar extra Kilometer herauszuholen, aber dann feststellen zu müssen, dass diese vor Ort nicht erhältlich sind, ist es billiger, sie schon zu Hause zu wechseln.

    Darüber hinaus können Qualitäts-Motorrad-Öle den Unterschied machen. Es ist keine Seltenheit, dass Iron Butt Fahrer 16000 km oder mehr zwischen den Ölwechseln fahren. Mehr als die gefahrenen Kilometer sind die Betriebsdauer und die Belastung von größerer Bedeutung. Ein Motorrad, das in der Stadt gefahren wird, benötigt häufiger einen Ölwechsel, als eines, das auf langen Strecken unterwegs ist.


    5. Vermeide den Anbau von Zubehör oder Wartungsarbeiten kurz vor der Fahrt!


    Wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, sollte Deine Fahrt nicht zum Testen von neuem Zubehör dienen. Dies trifft besonders auf Teile der elektrischen Anlage zu. Probleme sind vorprogrammiert, wenn kurz vor einer Reise Zusatzscheinwerfer installiert oder andere Änderungen am elektrischen System vorgenommen werden. Es bleibt nicht genügend Zeit, um das System so gründlich auf seine Funktionsweise zu testen, als dass man sich dann auf einer langen Fahrt durch die Nacht darauf verlassen zu könnte.

    Und vergiss nicht, auch der beste Mechaniker kann einen Fehler machen! Überprüfe sorgfältig die geleisteten Arbeiten und vermeide es, das Motorrad (von der Werkstatt) abzuholen und direkt damit auf eine 16000-km-Fahrt zu gehen. Eine Langstreckenfahrt ist auch nicht die allerbeste Gelegenheit, um die neue Regenbekleidung, einen Helm oder neue Packtechniken auszuprobieren!


    6. Benutze eine elektrisch beheizte Weste!

    Auch in den wärmsten Sommernächten können nach ein paar Tagen mit +38º C Abendfahrten bei +24º C schon als kühl empfunden werden. Denkt man dann noch an kühle, feuchte Tage, wird der Nutzen einer elektrischen Weste so hoch, dass kein professioneller Langstreckenfahrer ohne sie das Haus verlässt.

    Gerade im Frühling und Herbst hat man es am Tag mit deutlich über 20°C, und nachts mit unter 15°C zu tun. Das ist unangenehm: Die Kälte kriecht die Jacke und den Pullover. Deshalb am besten Kleidung in mehreren Schichten anziehen. Damit man sich bei jedem Tankstop an die kommende Temperatur anpassen kann. Entweder neue Schichten anziehen oder ausziehen.


    7. Packe klug, halte persönliche Gegenstände griffbereit!

    Viele Fahrer verwenden einen Tankrucksack, jedoch ist der Inhalt nicht immer gut durchdacht: Sonnenschutzcreme, Hautcreme, Augenreiniger, Augentropfen, eine Taschenlampe, ein Reifendruckprüfer, Karten und andere unentbehrliche Dinge sollten immer griffbereit sein.

    Wenn diese Gegenstände bei Bedarf nicht greifbar sind, werden sie auch nicht benutzt. Dies kann zu schwerwiegenden Fehlern führen, es wird zum Beispiel eine Abbiegung übersehen, weil die Karte nicht griffbereit ist oder Du verbrennst Dir das Gesicht und hast dann tagelang einen schmerzhaften Sonnenbrand.(Hast Du jemals versucht, den Helm über einen sonnenverbrannten Kopf zu ziehen? Versuch´s mal, Du wirst es nie mehr vergessen. Daher sollte die Sonnencreme immer zur Hand sein.)

    Auf der anderen Seite sollten wichtige Dokumente wie Zulassung und Versicherungspapiere an einem sicheren, wassergeschützten Ort des Motorrades aufbewahrt werden. Es kann davon ausgegangen werden, dass man diese Dinge nur bei einer Polizeikontrolle benötigt. Sind die Papiere gut verstaut, kannst Du bereits beim Heraussuchen mit dem Polizeibeamten sprechen und ihn davon überzeugen, dass Du ein normaler Mensch bist und nicht etwa "so ein Motorrad-Rüpel" - was zu Deinem Vorteil sein könnte.

    Statt dem Tankrucksack wird hierzulande auch gerne ein Topcase verwendet. Es hat dieselbe Funktion, stört aber nicht beim Fahren.


    8. Habe alles zusammen, bevor Du losfährst, verliere keine Zeit durch Einkäufe unterwegs!

    Die gleichen Regeln, die für Dein Motorrad gelten, sollten auch für Deine Motorradausrüstung und andere notwendige Utensilien gelten. Erstelle eine Checkliste der Dinge, die Du mitnehmen willst, und überprüfe diese, bevor Du losfährst. Zahnpasta an der Tankstelle zu kaufen, ist kein großes Problem, benötigst Du jedoch einen Pullover, Badesachen oder besondere Medikamente, die Du zu Hause vergessen hast, kann das wertvolle Fahr- und Ruhezeiten kosten.

    Ich "vergesse" öfter mal, genug Pullover oder eine lange Unterhose mitzunehmen. Was dazu führt, dass ich das jedesmal im Urlaub nachgekauft habe, und mittlerweile eine ansehnliche Kollektion von zusammengwürfelten Kleidungsstücken habe.


    9. Lerne die Langeweile zu bekämpfen!

    In der Regel kommst Du bei langen Fahrten durch Gebiete, die Du persönlich weniger reizvoll findest. Für einige Fahrer ist die US 50 durch Nevada eine sehr schöne Strecke. Für einen Bergstrecken-Liebhaber kann sie ein langer, heißer, langweiliger "Highway to Hell" sein. Für Momente wie diese, kann ein MP3-Player mit Deiner Lieblingsmusik unersetzlich sein. Ein anderer Trick ist es, z.B. im Tankrucksack einen Vorrat von sauren Bonbons zu haben. Ein saurer Zitronendrops "schockt" die Sinne und lässt Dich weitere 30 Kilometer fahren!

    Es ist eine gute Idee, wenn man sich (lange) vor der Fahrt mit meditativen Techniken beschäftigt hat. Das erlaubt es, lange Stecken aufmerksam zu Fahren, ohne dass man durch anstrengende Konzentration ermüdet. Das ist eine Technik, die sich zum Beispiel auch im Personenschutz bewährt hat.


    10. Mitgliedschaft bei einem Pannendienst

    Pannen passieren und es gibt nichts Schlimmeres als allein und ohne Hilfe liegen zu bleiben. MTS, AMA, Cross-Country Motor Club, einige Versicherungen und Automobilklubs (ADAC, diverse Motorradhersteller) haben Policen im Angebot, die Dich bei Problemen abschleppen. Dies ist nicht nur eine Frage des Geldes (die Kosten einer Mitgliedschaft im Vergleich zu den Kosten eines späteren Abschleppdienstes), diese Vereine haben Verträge mit Abschleppunternehmen in den ganzen USA (Europa). Sparst Du Dir eine solche Police, musst Du damit rechnen, stundenlang telefonisch nach einem Abschleppunternehmen suchen zu müssen.

    Zahle jetzt wenig Geld für eine Police oder bezahle später viel mehr, in Form von Geld und verschwendeter Fahrzeit!

    Wenn man schon eine ADAC Mitgliedschaft hat, sollte man den Aufpreis zahlen und eine ADAC Plus Mitgliedschaft erwerben. So bekommt man schnell einen Leihwagen, wenn es sonst nicht mehr weitergeht. So kommt man wenigstens mit seiner Ausrüstung wieder nach Hause.


    11. Lerne anzuhalten, um schneller zu sein!

    Oberflächlich betrachtet macht dieser Tipp keinen Sinn, aber erfolgreiche Langstreckenfahrer nutzen diese Strategie zu ihrem Vorteil. Da jeder Fahrer anders ist, kann man keine für alle Fahrer geltende komfortable Durchschnittsgeschwindigkeit definieren. Was wichtig ist, ist dass Du weißt, welche durchschnittliche Reisegeschwindigkeit für Dich optimal ist.

    Sinkt Deine Reisegeschwindigkeit unter diesen Durchschnittswert solltest Du Dir eine Auszeit nehmen und ernsthaft ausruhen.

    Zeit, die in Kaffeebars oder an Tankstellen verbracht wird, ist verschwendete Zeit, die besser zum Schlafen in einem gemütlichen Zimmer genutzt werden sollte - oder um die müden, schmerzenden Muskeln auf einem Spaziergang zu dehnen und "dabei wieder Sauerstoff ins Gehirn zu pumpen".


    12. Wissen, wann Du anhalten musst!


    Sobald Du versucht bist, "auch nur für eine Sekunde ein Auge zu schließen" (Sekundenschlaf), ist es höchste Zeit, am nächstgelegenen sicheren Ort anzuhalten und ein wenig zu schlafen! Andere Symptome, auf die Du achten solltest, sind:

    • Die Unfähigkeit eine konstante Geschwindigkeit zu halten: Wenn Du Dich in der Situation befindest, ständig langsamer zu werden, um dann immer wieder Gas geben zu müssen, bist Du kurz davor einzuschlafen!
    • Wenn Du bei Gegenverkehr vergisst, das Fernlicht abzuschalten.
    • Unentschlossenheit. Du kannst Dich nicht entscheiden, ob Du tanken oder weiterfahren sollst? Du kannst Dich nicht entscheiden, ob und wo Du abbiegen sollst?


    Dies ist alles eine Folge von Müdigkeit!

    Ideal ist ein kurzes Schläfchen von 40-50 Minuten. Wenn man einen kleinen Schlafsack dabei hat, kann man es sich durchaus auf einer Bank neben dem Bike gemütlich machen.


    13. Bewahre eine gute psychische Verfassung!

    Wenn Du Regen wirklich hasst, ist es vielleicht besser, für den Tag eine Pause zu machen und diesen in einem Motel zu verbringen. Das Gleiche gilt für extreme Hitze (Wenn möglich, versuche nachts zu fahren) oder eine Vielzahl anderer Umstände, die Dich in einen so schlechten mentalen Zustand versetzen können, dass Dir das Fahren keinen Spaß mehr macht.

    Wenn Du Dich psychisch elend fühlst, kannst Du Dich nicht mehr auf die Straße konzentrieren. Ja, es stimmt: Dem Chef erklären zu müssen, warum Du einen oder zwei Tage später als geplant zurückkommst, kann ebenfalls Stress bedeuten, aber zumindest kommst Du sicher nach Hause!


    14. Ernähre Dich gesund.

    Fast Food und Langstreckenfahren sind eine schlechte Kombination, aber um realistisch zu bleiben, versuche es doch einmal mit diesen bewährten Kombinationen:

    Dein Frühstück sollte aus Haferflocken, Müsli oder einem Ei mit Toast (ohne Butter) bestehen. Das Mittagessen sollte zugunsten einer leichten, gesunden Zwischenmahlzeit übersprungen werden. Abends isst Du einen Salat und ein leichtes Pasta-Gericht. (Schnell und leicht zu bekommen bei den Long Distance Fahrern "bestgehasstesten Plätzen", Dennys und den meisten Wendys.)

    Wenn alle Stricke reißen, ist unser Motto: "Wenn du außer Fast Food nichts Anderes bekommst, dann versuche wenigstens etwas Leichtes zu essen!" Wähle z.B. ein frisch zubereitetes Subway Sandwich, anstelle einen vor Fett triefenden Quarter-Pounder!

    Mittlerweile bietet auch Big M Salate an, die gar nicht schlecht sind. Und die Toiletten sind i.A. sauber, was ein nicht zu verachtender Vorteil ist. An französischen Autobahnraststätten gibt es heisse Gemüsebrühe aus dem Automaten. Die nährt und hält wach.


    15. Essen zur richtigen Tageszeit.


    An Wochentagen nach 9 Uhr morgens zu frühstücken, hilft, der Heerschar der arbeitenden Bevölkerung zu entgehen. Das Gegenteil trifft auf die Wochenenden zu, wenn die meisten Leute eher länger schlafen und die Restaurants später am Morgen bevölkern. Das Abendessen wird am besten früh zu sich genommen (erinnere Dich - wir hatten das Mittagessen übersprungen), um den Massen auszuweichen. Darüber hinaus ist das Essen nach Einbruch der Dunkelheit - und vor einer langen Fahrt durch die Nacht - eine schlechte Idee, es treibt Dich in den Schlaf.

    Wann immer wir von auswärts essen reden, kommt das Thema Zeit-Management auf. Insbesondere stellt sich die Frage, wie es sich ein Langstreckenfahrer leisten kann, wertvolle Zeit in einem Restaurant zu vergeuden, herumzusitzen und darauf warten, dass das Essen fertig ist.

    Hier ist eine bewährte Methode, um Zeit zu sparen: Nachdem Du im Restaurant einen Tisch bekommen hast (wenn das Restaurant voll ist, versuche es am Tresen, um schneller bedient zu werden), erklärst Du der Bedienung, dass Du in großer Eile bist. In extremen Fällen empfiehlt es sich, vorab ein großzügiges Trinkgeld zu geben und dabei direkt zu bestellen. Bitte weiterhin darum, dass die Rechnung zusammen mit dem Essen gebracht werden soll und erkläre, dass Du kurz weg gingest und gleich wieder zurück seist.

    Dies ist jetzt Deine freie Zeit, um wichtige Dinge zu erledigen:

    Obwohl alle Fahrer unterschiedliche Präferenzen haben, werden die meisten zum Waschraum gehen, sich waschen (auch wenn man nicht schmutzig ist, das Gesicht mit warmem Wasser zu waschen ist erfrischend) und nochmals Sonnenschutz oder Haut-Lotion auftragen. Wenn Du Telefonate zu erledigen hast, dann mache es jetzt.

    In den meisten Fällen ist Deine bestellte Mahlzeit dann bereits fertig. Mit dieser Technik kannst Du Esspausen auf ein akzeptables Zeitfenster von 20 - 30 Minuten bringen. Das mag Dir etwas kurz erscheinen, aber wenn Du es auf diese Art und Weise organisierst, kannst Du eine warme Mahlzeit zu Dir nehmen, während die anderen Fahrer an einer Tankstelle stehen und sich ein kaltes Sandwich herunterwürgen.


    16. Trenne Tankpausen von Esspausen!

    Die Fahrt von der Tankstelle zum Restaurant gegenüber auf die andere Straßenseite kostet Dich genau so viel Zeit, um die Schutzkleidung anzuziehen, wie erst einmal 30 Kilometer weiterzufahren, um dann zum Essen anzuhalten. Das Ergebnis sind zwei Mini-Pausen zum Preis von einer.


    17. Tanke Benzin, bevor Du es brauchst!

    Du musst nur einmal ohne Benzin liegen bleiben oder einen 10 Kilometer Umweg fahren müssen, um eine Tankstelle zu suchen - schon hast Du die Zeit, die Du bis dahin gewonnen hast, um ein Vielfaches verloren. Tanke, wenn Benzin verfügbar ist!

    Um bei diesem Thema zu bleiben - denk daran, dass Tankpausen eine enorme Zeit kosten können, wenn sie nicht gut geplant werden. Solltest Du mal 5 Minuten durch Trödeln an einer Zapfsäule verschwenden, wird das bei einer mehrtägigen Fahrt nicht sonderlich ins Gewicht fallen. Bei einer 24-Stunden-Fahrt, bei der man eine bestimmte Mindest-Durchschnittsgeschwindigkeit halten muss, kann dieses allerdings schon sehr kritisch sein.

    Wähle - wann immer möglich - eine Tankstelle, an der Du an der Zapfsäule zahlen kannst. Es ist ratsam, immer mehr als eine Kreditkarte dabei zu haben, für den Fall das Dein Kreditinstitut eine Karte, wegen "unüblich häufiger Benutzung" sperrt.

    Man sollte darauf achten, dass man eine Kreditkarte mit Geheimzahl hat. Praktisch alle Tankautomaten im Ausland nehmen nur diese Karten an. Und oft sind die Tankstellen gar nicht mehr mit (teurem) Personal besetzt, sondern reine Kreditautomaten. Abends gilt das auch für die meisten Autobahntankstellen im Ausland.


    18. Ziehe Dein Regenzeug über, bevor es regnet!

    Dein Tank ist weniger als halbvoll, warum nicht jetzt tanken und dabei gleich das Regenzeug überziehen, alles in einem schnellen, sicheren Stopp? Ob Du nun diesen Rat annimmst oder nicht, wir empfehlen Dir auf jeden Fall dringend, die Regenkleidung nicht am Straßenrand anzuziehen. Die Gefahren sind einfach zu zahlreich, um sie alle aufzuzählen, aber denke über folgendes nach, wenn Du planst, Schutz vor dem Regen unter einer Brücke zu suchen:

    Willst Du wirklich nur einen Meter (oder eine Armlänge) von den mit 100 km/h oder schneller an Dir vorbeifahrenden Fahrzeugen entfernt stehen? Und wenn es regnet, willst Du wirklich so nahe an vom Regen geblendeten Fahrern stehen? Denke daran, dass einige dieser Fahrer auch einen geschützten Platz suchen, um das Ende eines schweren Regenschauers abzuwarten - genau so einen Platz, wo Du gerade stehst, um Deine Regensachen anzuziehen.

    Statistiken zu diesem Thema sind schwer zu bekommen, aber Unfälle am Straßenrand passieren häufig. Zum Beispiel wurden wir Zeuge eines tragischen Unfalls im Mai 1995: In einer klaren Nacht, wurde ein Fahrzeug wegen eines Verkehrsvergehens von der Illinois-Polizei angehalten, das Polizeiauto hatte sein Blaulicht angeschaltet (jeder der dieses Licht schon einmal gesehen hat, weiß, wie hell es ist). Obwohl beide Fahrzeuge gut sichtbar am Straßenrand der Interstate standen, fuhr ein Fahrer, der aus Übermüdung von der Fahrbahn abkam, auf das Polizeiauto auf, das daraufhin explodierte und den sich noch im Wagen befindlichen Polizisten tötete.


    19. Nimm ein Reifen-Reparatur-Set mit und wisse es zu benutzen!

    Die meisten Reifenpannen mit schlauchlosen Reifen können in wenigen Minuten repariert werden! Es gibt keine Entschuldigung dafür, kein Reparatur-Set dabei zu haben, aber noch wichtiger ist, dass man auch weiß, wie es benutzt wird. Übe zu Hause an einem alten Reifen, so das Du es nicht am Straßenrand lernen musst!

    Reifen mit Schlauch sind eher lästig, sobald Du aber weißt, wie man einen Schlauch flickt, wird das deutlich schneller gehen, als einen Abschleppdienst zu organisieren. Weiterhin solltest Du regelmäßig Dein Reparatur-Set überprüfen, um sicherzustellen, dass z.B. der Klebstoff nicht ausgelaufen ist. Wenn Dein Set CO2-Patronen zum Auffüllen der Reifen hat, erkundige Dich, bevor Du Deine Tour startest, wie viele Patronen Du benötigst, um den Reifen auf einen sicheren Druck zu füllen.

    Ich habe aus Erfahrung gelernt und einen elektrischen Mini-Kompressor dabei.


    20. Nimm ein Handy mit!


    Es wird nicht im Death Valley funktionieren, aber Du wirst überrascht sein, in wie vielen anderen entlegenen Gebieten Mobiltelefone funktionieren. Ein Mobiltelefon - kombiniert mit einer entsprechenden (ADAC ) -Police - kann eine Panne, die früher eine Reise ruiniert hätte, erträglicher machen.

    Im Handy sollte man die ADAC Notrufnummer (auch für das Ausland) fest eingespeichert haben.


    21.Optimiere Dein Bordwerkzeug!

    Das Bordwerkzeug der meisten Motorräder ist in den meisten Fällen unbrauchbar. Nimm das Bordwerkzeug als Muster und ersetze es durch Qualitätswerkzeug (z.B. von Snap-On oder Sears-Craftsman). Füge auch einen kompakten digitalen Voltmeter (Radio Shack verkauft ein Taschenmodel für unter $20) und einen Nusskasten hinzu.

    Ich habe dazu einen Artikel geschrieben: http://g-homeserver.com/harley-david...schrauben.html

    Im Mai 1997 veröffentlichte der (leider verstorbene) große Ron Major auf der Internetseite der LD-Riders die zweifellos umfassendste Werkzeugliste, die je zusammengestellt wurde:

    /* Originalzitat Anfang (die Werkzeugliste wird nicht übersetzt)
    ALL:
    In my leather Travelcade tool bag, 4 X 5 1/2 X 11 inches:
    (c) Iron Butt Association ! 6 / 11
    10 in. Channelock pliers
    6 in. Channelock pliers
    6 in. needle nose pliers
    5 in. flush cutting wire cutters
    5 in. wire strippers
    6 in. locking surgical forceps
    4 in. 1/8 flat blade screwdriver
    4 1/2 3/16 flat blade screwdriver
    4 in. 00 Phillips screwdriver
    6 in. #1 Phillips screwdriver
    7 1/2 in. #2 Phillips screwdriver
    7 1/2 in. 1/4 in. flat screwdriver
    Xcelite four way driver
    Magnet, general use, small
    6 in. Crescent Wrench
    Short 1/2 - 9/16 in. open end wrench
    M 10 X M 11 open end wrench
    M 12 X M 14 open end wrench
    M 10 X M 11 box end wrench
    M 12 X M 14 box end wrench
    M 17 X M 19 box end wrench
    MAC combination six point Flex Box End/Open End, M 10, M 12, M 14,
    M 17 wrenches
    4 oz. ball pien hammer, with handle shortened to 7 in.
    M 5 hex key - short arm
    M 6 hex key - short arm
    M 5 Ball end hex key - "T" handle - 8 in.
    Machinist's scribe, self storing point
    6 Straight edge razor blades
    6 C.C. tube of Locktite
    6 Oz. tube of RTV clear silicone sealer
    Two Tube 5 Minute Epoxy
    Zip-lock bag of Anti-Seize Compound
    Zip-lock bag of rear spline lube, Honda 60% moly paste (for rear tire change)
    The two above items stored in 35 MM film containers, clean, dry, protected!
    Top quality padlock - with keys
    2 spare electric vest wire connectors - wired
    12 feet of two conductor electric wire
    35-40 small zip ties - 3 1/2 in.
    12 medium zip ties - 8 in.
    8 in. Tire Iron
    6 electricians tapes, roll ends only, very easy to carry/use
    12 Pre-Packaged alcohol wipes, for general clean-up
    6 Pre-packaged "Handy-Towels" for your hands, etc. clean up towels, terrycloth
    ALL - Snap-On, Craftsman, Mac, Xelite, etc., PROFESSIONAL TOOLS!
    Not In The Above Kit:
    Stock ST1100A Honda Tool-kit
    siphon hose, 5 /16 in. I.D., 6 feet long
    (c) Iron Butt Association ! 7 / 11
    1/4 in. Nylon rope, 15 feet long
    12 in. Crescent Wrench
    M 5, M 6 long arm, ball end hex drivers
    Spare fuses for "EVERYTHING"
    Re-chargable, 2-D Cell flashlight
    AA cell Maglight, on neck lanyard, for walking bonuses/back-up
    Two AAA cell Maglights
    Eye glass repair kit
    Sewing kit
    Safety pins
    Lensatic, Engineer Compass
    2 Magnifying glasses, 2X, and 5X
    Small mirror
    Swiss Army Knife
    Wavetek, DM78A Digital Multimeter
    Digital tire gauge
    Spare keys for "everything"
    6 new Micro-Point ball point pens
    MANY spare batteries for flashlights, clock/timers, shaver, Screaming-Meanies!
    Buck TITANIUM locking blade knife, 3 3/4 in. blade
    Spare headlight, driving light, license plate, and other bulbs
    Spare throttle cables
    These items are ALWAYS in my ST1100!
    UND das WICHTIGSTE:
    Die Geschicklichkeit, das Wissen und die Fähigkeit, sie zu benutzen !!!!!!!!!!!!!

    Ron, gut vorbereitet, Major

    P. S.: Ihr solltet meinen Erste Hilfe Satz sehen und andere notwendige Dinge, wie zum Beispiel drei verschiedene Reifen-Reparatur-Kits und zwei Möglichkeiten die Reifen wieder zu aufzupumpen!

    P. S. S.: Wir sollten irgendwann einmal eine spontane TANKRUCKSACK-PARTY machen !!!!! Sicherlich würden viele große Augen machen, wenn sie sehen könnten, was die "ALTEN HASEN" alles so im Tankrucksack haben !!!!! Dies ist sehr privat und persönlich, so etwa wie eine DAMENHANDTASCHE!
    My $0.50 worth,
    Ron Major
    --- Originalzitat Ende */

    Neben dem Bordwerkzeug sollte man auch einen Erste Hilfe Satz und eine orange Warnweste dabeihaben. Wenn Platz ist, dann lohnt sich auch ein kleines zusammenfaltbares Warndreieck.


    22. Führe mindestens zwei Liter Wasser mit!

    Du musst nicht in die Wüste fahren, um diesen Rat zu befolgen. Auch andere Ereignisse, wie zum Beispiel, ein defektes Motorrad über eine kurze Distanz einen Hügel (zu einem sicheren Halteplatz) hinauf zu schieben, können auch in einer kühlen Nacht einen unbeschreiblichen Durst erzeugen.

    Dein Wasservorrat sollte in zwei Behältern aufbewahrt werden. Ein Behälter sollte während der Fahrt zum Trinken verwendet werden, der andere Behälter sollte für Notfälle gut weggepackt werden.

    Die Theorie ist einfach: Wenn Fahrer Wasser mitnehmen, dann trinken sie es auch. Daher tu Dir selbst den Gefallen und packe die Notration an einen Platz, der unbequem zu erreichen ist und wo Du wirklich nur im Notfall daran gehst.

    Ein Gesundheitshinweis: Auch wenn in Flaschen abgefülltes Wasser eine recht lange Haltbarkeit hat, sollte es aus Sicherheitsgründen alle paar Tage gewechselt werden. Auch wenn es übervorsichtig erscheinen mag, empfehlen wir, auf den langen Fahrten abgefülltes Wasser zu kaufen und dem jeweils lokalen Leitungswasser vorzuziehen. Je nach der lokalen Wasserzusammensetzung könnte es zu Magenverstimmung, Durchfall und in extremen Fällen zu einem Krankenhausaufenthalt führen.

    Solange ein Wasser mit Kohlensäure beim Öffnen noch zischt, ist es geniessbar. Wenn nix mehr kommt, sollte man es umgehend verbrauchen. Ich bevorzuge Orangina. Das schmeckt warm und kalt, ohne zu süss zu sein.



    23. Nimm Aspirin gegen Schmerzen mit.

    Hinweis: Auch wenn Aspirin in der Fahrergemeinschaft fast Kult-Status genießt (Fahrer behaupten, es lindere eine Vielzahl von Schmerzen und es helfe Muskelkrämpfe zu verhindern), ist es wichtig, daran zu denken, den Arzt nach möglichen Nebenwirkungen zu fragen. Zum Beispiel kann durch Aspirin die Körpertemperatur sinken. Die Fahrer, die es auf der Fahrt als Schmerzmittel benutzen, sollten daran denken, dass sie dadurch auch auskühlen könnten.

    Darüber hinaus wirkt Aspirin gerinnungshemmend. Dies kann zu Problemen bei einem Sturz mit stark blutenden Wunden führen. Einige Aspirin-Marken enthalten Koffein, das hinzugefügt wird, um die Wirkung zu beschleunigen. Ein Blick auf Verpackungsbeilage wird Dir darüber Aufschluss geben.


    24. Pack eine Auswahl Vitamine ein

    Eine exakte Dosierungsanleitung sollte ein Arzt geben, generell kann man jedoch sagen, dass eine Vitamintablette pro Tag eine Mindestempfehlung ist. Erkundige Dich bei Deinem Arzt, welche Vitamine, bezogen auf die Bedingungen der geplanten Fahrt, am besten geeignet sind (Fahren in der heißen Sommerzeit stellt andere Anforderungen als das Fahren im Winter). Für Langstreckenfahrten werden Vitamine benötigt, die helfen, Muskelkrämpfe zu verhindern.

    Gegen Wadenkrämpfe hilft an sich Magnesium. Aber nicht zu viel nehmen: es wirkt gleichzeitig abführend! Von der Übermedikation von Vitaminen geht man mittlerweile wieder ab. Insbesonderen weil viele verarbeitete Nahrungsmittel bereits ab Werk mit Vitaminen angereichert werden.


    25. Wenn Du einen PC besitzt, erwäge den Kauf eines Routenplaners

    Viele Routenplaner sind bei weitem nicht perfekt, in einigen Fällen errechnet die Software eine Route, die sich jeder Logik entzieht. So wird zum Beispiel eine Route errechnet, die Dich, anstatt über die Interstate, über einen U.S. Highway führt, der jedoch an vielen Stellen gar kein Highway ist, sondern eine normale Straße, die dann auch noch durch eine verkehrsreiche Stadt führt.

    Diese Programme berechnen andererseits sehr schnell und mit hoher Genauigkeit Punkt-zu-Punkt Entfernungen. Jeder der schon einmal versucht hat, komplexe Routen mit Hilfe von Papierkarten zu berechnen und dabei im Nachhinein feststellte, dass die Karte falsch war oder er sich hier und da um 40 Kilometer verrechnet hatte, weiß die Routenplaner zu schätzen.

    DeLorme Map-N-Go und Microsoft Streets & Trips sind zwei Beispiele für beliebte eigenständige Routenplaner, die innerhalb der Long Distance Gemeinschaft benutzt werden. Das DeLorme Paket hat eine Satellitenverbindung mit verschiedenen GPS Navigationswerkzeugen, sowie eine Schnittstelle zum Internet, um in Echtzeit Wetter- und Verkehrsinformationen entlang der geplanten Route abzufragen. Eine weitere DeLorme Funktion ist der "Exit Services", der alle verfügbaren Dienstleistungen (Kraftstoff / Essen /Unterkunft / etc.) an jeder Interstate-Ausfahrt anzeigt.

    Moderne GPS Geräte können schon sehr viel. Zusammen mit einem Computer, der z.B. Google Maps/ Google Earth verarbeiten kann, kann man sich sehr präzise Routen anfertigen lassen. Ich selber probiere gerade das Programm Tyre aus. Hier ein Artikel zum Thema: http://g-homeserver.com/harley-david...0-android.html

    Wenn man einen Laptop (oder PAD) dabeihat und unterwegs eine Internet Verbindung braucht, dann kann man sein Datenfähiges Handy zu einer WIFI Station machen (Tethering).



    26. Wenn Du auf Nebenstraßen unterwegs bist, sei besonders vorsichtig

    beim Überschreiten von Gemeinde (County) - Grenzen! (Landesgrenze)

    In vielen Staaten ist das County für die Wartung der Straßen verantwortlich. Das bedeutet, dass Du ungefähr alle achtzig Kilometer mit verschiedenen Straßenbelägen und mit unterschiedlichen Vorstellungen über Straßenbaudesign der lokalen Bauingenieure rechnen musst.

    Achte nach der Überquerung einer County-Grenze aufmerksam auf Hinweise darauf, wie das lokale Straßenbauamt arbeitet. Hat sich der Straßenbelag von Asphalt nach Beton geändert? Sind die Kurven gut markiert? Ziehen sich die Kurven zu? Wird bei der Reparatur der Straßen mit Gummiversiegelung, Kies oder anderen gefährlichen Stoffen gearbeitet? Manche Gummiversiegelungen bringen bei Hitze z.B. das Motorrad zum Schlingern, was einige Fahrer in Panik geraten lässt, wenn sie die Ursache dafür nicht kennen. Ist die Bepflanzung an den Straßenseiten zurückgeschnitten? Gibt es Zäune, die verhindern, dass Tiere auf die Straße laufen? Finde diese lokalen Besonderheiten heraus, bevor Du die Überraschung Deines Lebens erlebst.


    27. Fahre nie schneller als Du stoppen kannst!

    Stell Dir vor, Du fährst bei dichtem Nebel mit 80 km/h auf der Interstate und auf einmal siehst Du vor Dir ein stehendes Auto - auf der Überholspur. Kannst Du anhalten, bevor Du auf das Auto auffährst? Mag sein, dass Du das für eine lächerlich Frage hältst, aber solche Dinge passieren. Sei nicht der nächste getötete Motorradfahrer, der schneller fuhr, als es seine Augen erlaubten.

    Der gleiche Rat gilt ebenfalls auch bei gutem Wetter. Ist es wert, in einer unübersichtlichen Kurve 15 km/h oder mehr schneller zu sein, nur um dann die nächsten sechs Monate in einem Krankenhaus zu verbringen? Denk darüber nach, Du könntest dadurch länger leben.

    Denk immer daran: Die absolut höchste Priorität bei einer Langstreckenfahrt oder einer Ausdauer-Rallye ist: Überquere lebend die Ziellinie. Alles andere ist Beiwerk.


    28. Willst Du leben? Dann halte Dich von LKWs fern!


    LKW-Fahrer hassen es, wenn jemand permanent hinter ihnen fährt. Wenn Du hinter einem Lastwagen bist, wirst Du zu einer Belastung. Anstatt sich auf die Straße zu konzentrieren, wird ein LKW-Fahrer anfangen, sich Gedanken über die Person an seinem Heckteil machen. Für einen Motorradfahrer sind geplatzte Lkw-Reifen auf der Straße nichts ungewöhnliches.

    Mary Sue Johnson, Iron Butt Veteran und professionelle LKW-Fahrerin, warnt: "Ein Reifenplatzer kann den schweren Schmutzfänger des LKWs abreißen, der dann mit der Kraft einer Bowling Kugel und mit 100 km/h auf einen zukommt." Suzy warnt weiterhin: "Sollte der LKW über einen auf der Straße liegenden Auspuff oder Schalldämpfer fahren, wirst Du das wahrscheinlich zu spät erkennen, um einen Unfall zu verhindern.

    Sollte der LKW-Fahrer einmal stark bremsen müssen, weil etwas auf der Straße liegt oder jemand ihn geschnitten hat (dies passiert mir einmal am Tag oder sogar öfter) und Du bist in dem Augenblick nicht wachsam genug, fährst Du hinten auf - das passiert immer wieder!" Vielleicht denkst Du, dass dieses alles nur Theorie ist und Dir so etwas nie passieren kann.

    Dann wird Dich vielleicht diese Meldung aus der Chicago Sun-Times vom 3. Juni 1997 mit dem Titel „Teenager stirbt durch umherfliegende LKW-Reifen (...)" interessieren: Zwei Räder lösten sich von einem 18-Rad-Sattelschlepper auf dem Eisenhower Expressway (...) und töteten einen 18-jährigen Jugendlichen. Ein Rad rollte über eine Betonleitwand und schlug in den Sportwagen ein, in dem der Teenager auf dem Vordersitz saß.


    29. Beseitige alle Irritationen

    Eliminiere alle Ärgernisse und Irritationen vor der Fahrt, wie geringfügig diese Probleme auch immer sein mögen. Das Unterdrücken von Gereiztheit und Irritationen kostet enorm viel Ausdauer und Energie (besonders, wenn man müde ist). Selbst kleinste Verärgerungen werden auf einer Langstreckenfahrt aufgebauscht und rauben Dir durch den Stress wertvolle Energie.

    Ein Schlüssel, der in Deinen Möglichkeiten liegt, ist ein gut vorbereitetes Motorrad, das auch ergonomisch auf den Fahrer eingestellt ist. Fahrkomfort ist das wahre Geheimnis, warum erfahrene Long Distance Fahrer riesige Entfernungen sicher fahren können.
    Geändert von peter (07.12.2012 um 15:39 Uhr)

  3. #3
    Administrator Avatar von peter
    Registriert seit
    06.02.2010
    Beiträge
    748
    Blog-Einträge
    1
    Downloads
    57
    Uploads
    21

    Standard AW: Harley Fahrtechnik, Iron Butt Association, Müdigkeit und Motorradfahren

    Das ist der zweite berühmte Artikel der Iron Butt Association. Er wurde von dem Arzt Don Arthur, M.D. verfasst. Das Original findet sich hier: http://www.ibagermany.de/uploads/media/Fatigue.pdf


    MÜDIGKEIT UND MOTORRAD-TOUREN

    Wenn die Sonne untergeht und die Kilometer an uns vorbeiziehen, wird die Müdigkeit unser stetiger Schatten, aber nie unser Freund. Die Freude am Motorradurlaub vergeht schnell, wenn der Fahrer länger fährt, als es seinen Fähigkeiten entspricht. Dieser Artikel beschreibt die einzelnen Aspekte der Müdigkeit, wie man deren Anzeichen erkennt und wie man lernt, lange Stecken sicher zu bewältigen.


    SCHLAF

    Unser Gehirn ist ein komplexes Organ, das während der wachen Stunden kontinuierlich ermüdet und dabei physiologischen Schulden akkumuliert, die nur durch Schlafen zurückgezahlt werden können. Während des Schlafes wird das chemische Gleichgewicht in den Bereichen des Gehirns, die für bewusste Aktivität erforderlich sind, wiederhergestellt. Dieser Schulden-Zyklus ist normal und unveränderlich. Der genaue Mechanismus wurde ausführlich untersucht und ist stellenweise so komplex, dass er manchmal an "Magie" grenzt.

    Jeder Mensch braucht eine spezifische, genetisch festgelegte Menge an Schlaf. Die meisten Menschen benötigen etwa 8 Stunden Schlaf, der „normale“ Bereich liegt irgendwo zwischen 6 und 10 Stunden. Einstein brauchte zum Beispiel jede Nacht 10 Stunden Schlaf, um ausgeruht zu sein. Napoleon Bonaparte kam mit unter 5 Stunden aus. Leonarde da Vinci soll noch weniger geschlafen haben. Schläft man nur 2 Stunden weniger als körperlich benötigt, dann verringert sich die eigene Leistung und Wachsamkeit deutlich.

    Die Folgen von Schlafmangel sind kumulativ – wenn man jede Nacht zu wenig schläft (zum Beispiel während eines Versuchs in einem Schlaflabor), dann führt das zu einer Anhäufung der „Schlafschulden“. Die müssen irgendwann ausgeglichen werden, damit die normale Funktion des Gehirns gewährleistet bleibt. Die gute Nachricht ist, dass diese Schulden nicht „Stunde für Stunde“ zurückbezahlt werden müssen. Aber es erfordert einen „tiefen erholsamen Schlaf“ und kann nicht durch mehrere, kurze Nickerchen bezahlt werden.

    Leider kann man auch nicht auf Vorrat Schlafen, um dann später die notwendigen Wachzeiten vom Schlafkonto wieder abheben zu können.


    Der zirkadiane Rhythmus oder die innere Uhr

    Unsere internen, körpereigenen Uhren regulieren automatisch alle unsere Körperfunktionen - einschließlich des Schlaf-Wach-Zyklus. Jeder Mensch ist mit seiner oder ihrer eigenen Zykluszeit programmiert. Diese innere Uhr versucht, uns auf einem "normalen" 24 Stunden Schlaf Rhythmus zu halten und synchronisiert sich mit den Tag- und Nachtzyklus unseres Planeten.

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	normal Zirk.JPG 
Hits:	5946 
Größe:	79,4 KB 
ID:	1562
    (* Bild1: Normaler Zirkadianischer Schlafrhytmus. Der Drang nach Schlaf (Sleep Urge) ist mitten in der Nacht am hōchsten. In der Mittagszeit gibt es ein kleines Zwischenhoch. Das Schlafdefizit (Sleep Need) steigt dagegen kontinuierlich während der Wachphase, und sinkt während der Schlafphase. Es wird idealerweise Null, wenn man ausgeschlafen hat.*)

    Das Reisen durch verschiedene Zeitzonen verschiebt diese Uhr vor-oder rückwärts, was eine zeitweise Unterbrechung des normalen zirkadianen Rhythmus bewirkt (JetLag). Im Allgemeinen dauert die Anpassung an den neuen Tag-Nachtrhytmus rund einen Tag pro durchquerter Zeitzone.

    Das Fehlen von Tageslicht bei Nacht hat zwei Effekte. Unser Schlafzentrum interpretiert die Dunkelheit als ein Signal, um den Schlaf einzuleiten. Kommt zu diesem zirkadianen Signal zusätzlich die fehlende Stimulation durch ausbleibende visuelle Reize bei einer Nachtfahrt, dann wird das Gehirn um die notwendigen Reize beraubt, welche es normalerweise wach hält.

    Ohne die höhere Intensität der Stimulation, die während der Tagesstunden anfallen, wird unser Gehirn leichter in den Schlaf-Modus abgleiten. Zunehmende externe Stimulation kann dagegen dabei helfen, den zirkadianen Schlafdrang zu überwinden.

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	missed Zirk.JPG 
Hits:	5261 
Größe:	93,2 KB 
ID:	1566
    (* Bild2: Wenn man zu frūh wach wird, dann bleibt etwas Schlafbedūrfniss (Sleep Need) ūber, dass sich zu dem normalen Schlafbedūrfniss des nächsten Tages hinzuaddiert*)

    Studien haben gezeigt, dass gute körperliche Fitness gleichfalls dazu beitragen kann, die Verschiebung der Zirkadianen Rhytmen leichter zu verarbeiten.


    Sekundenschlaf


    Forscher haben den sogenannten Drone Effect (Faulenzer Effekt) dokumentiert. Damit bezeichnen Sie Personen, die vorübergehend handlungsunfähig werden. Man kennt diesen Effekt auch unter dem Namen „Sekundenschlaf“. Dieser Effekt äussert durch ein paar Sekunden Schlaf mit offenen Augen, durch Lähmungen, Sehstörungen oder durch andere Effekte, die dem Opfer nicht bewusst sind. Was bleibt ist der vage Eindruck, etwas verpasst oder vergessen zu haben. Zum Beispiel Teile eines Gesprächs oder ein Abschnitt der Autobahn, den man zwar gefahren ist, aber an den man sich nicht mehr erinnern kann.

    Fährt man mit 100km/h auf der Autobahn, dann legt das Fahrzeug 28Meter pro Sekunde zurück. Wenn der Fahrer einen Sekundenschlaf von nur vier Sekunden hat, dann hat sein Fahrzeug die Länge eines Fussballfeldes im Blindflug durchfahren.

    Der Sekundenschlaf schlägt auch dann zu, wenn eigentlich alles ganz normal erscheint. Oder sogar in Zeiten hoher Aktivität, in denen wir den Sekundenschlaf gar nicht erwarten.



    Ermüdungseffekte

    Unsere Gehirne sind wunderbare Computer, aber sie ermüden bei gleichförmiger Aktivität sehr schnell und müssen dann erfrischt werden. Ähnlich wie bei einer Sanduhr verebbt unsere geistige Rechenleistung in dem Mass, wie die Müdigkeit steigt. Dieser Übergang betrifft alle Körperfunktionen und tritt schrittweise schleichend ein, so dass uns dieser Vorgang oft nicht bewusst wird.

    Dies passiert insbesondere, wenn wir mit etwas Beschäftigt sind, was mit einem hohen Tempo stattfindet oder unser besonderes Geschick erfordert. Das lenkt unser Gehirn vom aufkeimenden Schlafmangel ab.

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	sanduhr.JPG 
Hits:	5035 
Größe:	42,8 KB 
ID:	1564

    Obwohl die Reaktionen auf Müdigkeit individuell sind, gibt es drei entscheidende Faktoren, die sich herausheben:

    1. Die Schwierigkeit der Aufgabe.
    2. Der Trainingsgrad des Fahrers.
    3. Die genetisch bedingten Faktoren.


    Je komplexer die Aufgabe ist und je geübter man bei der Ausführung dieser Aufgabe wird, desto größer ist die Widerstandsfähigkeit gegen Ermüdung. Ebenso scheint ein höheres Maß an Ausbildung und Erfahrung eine schützende Wirkung zu haben.

    Wir können die genetisch geprägten biologischen Funktionen nicht beeinflussen, aber dafür unsere Geschicklichkeit und unsere Ausbildung.

    Im Allgemeinen gehen weniger erfahrene Fahrer ein höheres Risiko ein als jene, die sich eine Menge Erfahrungen er-fahren haben.


    Schläfrigkeit.

    Wir gehen üblicherweise davon aus, dass ein steigendes Schlafdefizit zwangsläufig zu einer gesteigerten Schläfrigkeit führen müsste. Dem ist nicht notwendigerweise so. Wir müssen statt dessen im Hinterkopf behalten, dass unser Gehirn die Müdigkeit als ein Signal interpretiert, zu schlafen. Je größer die Müdigkeit ist, desto stärker wird das Schlaf Zentrum des Gehirns angeregt. Dieser Reiz kann Schlafreaktionen auslösen, auch wenn sie weder gewollt noch erwartet sind. Und auch dann, wenn wir nicht vorher durch die Symptome von Schläfrigkeit gewarnt worden sind.

    Dieser Sekundenschlaf ist eine Manifestation des körpereigenen Antriebs, die Auswirkungen der Müdigkeit zu kompensieren. Sekundenschlaf kann in Zeiten von normaler und hoch funktioneller Aktivität auftreten. Die Ausfälle der Konzentrationsfähigkeit treten also auch während der Perioden von Aktivität auf, die ansonsten völlig normal erscheinen.

    Der Sekundenschlaf zeigt sich darin, das man Gefahren nicht erkennt, keine geeigneten Maßnahmen im Angesicht eines Notfalls ergreift, Unfähigkeit ist, Entscheidungen zu treffen oder sich zu konzentrieren, in einem Gefühl von Zeitverlust, dem falschen Einschätzen einer Kurve und viele weitere Symptome, die sich verheerend für einen Motorradfahrer auswirken können.

    Je größer die Müdigkeit, desto größer ist die Neigung, das Ausmass der Müdigkeit und den Drang nach Schlaf zu unterschätzen. Dies erhöht die Gefahr, dass Ermüdungserscheinungen nicht rechtzeitig erkannt werden.


    Psychische Veränderungen.

    Unsere "Rechenleistung“ und Reaktionsgeschwindigkeit nimmt ab, wenn wir müde sind. Die Fähigkeit, Informationen zu gewinnen und zu verarbeiten, wird beeinträchtigt. Je langsamer wir die Inforationen erhalten und verarbeiten, desto mehr verzögert sich unsere Antworten. Dies manifestiert sich dann in langsamere Entscheidungsfindung und längere Reaktionszeiten. Insgesamt reduziert sich unsere Wachsamkeit und das erhöht unser Risiko.

    Ein häufiges Symptom der fortschreitenden Müdigkeit ist, wenn man mit deutlich geringerer Geschwindigkeit fährt als üblich. Dies geschieht, weil das Gehirn bei der Verarbeitung der Umweltreize (die scheinbare Geschwindigkeit der Straße, die Änderung der Landschaft, die Vibrationen des Motorrades, die Vibrationen, der Winddruck, etc.) langsamer ist als üblich. Dann verbraucht eine langsamere Geschwindigkeit die gleiche Menge der verfügbaren Gehirn-Rechenleistung wie es ein ausgeruhtes Gehirn bei normaler Reisegeschwindigkeit.

    Diese (und andere) negative Effekte werden in der Nacht noch verschärft. Da eine abgedunkelte Umgebung weniger reale Anhaltspunkte liefert, hat unseren Gehirn weniger Daten, um ordnungsgemäße Entscheidungen zu treffen. Wenn die Müdigkeit zunimmt und gleichzeitig die Menge der Umweltreize zurückgeht, wird das Urteilsvermögen zunehmend fehlerhaft. Unser Gehirn ergänzt dann die entstehenden Wahrnehmungslücken, was dazu führt, das wir manchmal Dinge wahrnehmen, die gar nicht real sind.

    Fehlerhafte Wahrnehmungen - sogar Halluzinationen – sind möglich, weil unser Gehirn die fehlenden Daten unserer Umgebung künstlich auffüllt, sobald reale Daten nicht verfügbar sind oder vermisst werden.

    Müdigkeit beinflusst auch unser Erinnerungsvermögen - unsere Fähigkeit, neue Informationen zu speichern und alten Informationen abzurufen. Es gibt unzählige Geschichten über Fahrer, bereits auf Reserve fahren, aber an einer offenen Tankstelle vorbeifahren. Sie "vergessen" einfach zu Tanken. Leider wird diese Lektion wieder und wieder von neuem gelernt, auch von erfahrenen Fahrern.

    Während die Verarbeitung von Informationen schwieriger wird, neigen wir immer stärker dazu Optionen zu wählen, welche die wenigste Anstrengungen erfordert oder das geringste Risiko bieten. Wir wählen den leichtesten Weg. Auch wenn diese Wahl eine geringere Erfolgswahrscheinlichkeit hat als eine, die komplexer ist und mehr Anstrengung erfordert.

    Wir können zudem derart auf eine Aufgabe fixiert sein, dass wir nicht mehr in der Lage sind, widersprüchliche Gedanken oder Entscheidungskriterien aufzulösen. Dies kann zu einer praktischen Bewegungslosigkeit, dem Verlust von Situationsangepasstem Verhalten und dem Auslassen von sicherheitskritischen Aktionen führen.


    Psychische Veränderungen.

    In dem Masse, wie die Müdigkeit zunimmt, fokussieren wir uns zunehmend auf das Bedürfniss nach Schlaf. Sowohl bewusst als auch unbewusst. Die Stimmung wird langsam schlechter und stört die Fähigkeit zu sozialen Kontakten. Dies erhöht den eigenen Stress und die Schwierigkeit, mit anderen zu kommunizieren.

    Müdigkeit wirkt sich auch auf die Motivation aus, da das Gehirn sich zunehmend auf die Erfüllung der Müdigkeit konzentriert. Diese verringerte Motivation kann zu einer Veränderung bei unseren Gewohnheiten führen, wie zum Beispiel beim Essen und Trinken. Dies kann sich verheerend auswirken, wenn zur Müdigkeit auch noch die Dehydrierung des Körpers hinzukommt.

    Während wir zunehmend unfähig sind, Aufgaben normal zu erledigen schwinden parallel dazu unsere emotionalen Hemmungen. Wir werden ungeduldig, frustriert und wütend.

    Eine gefährliche und heimtückische Wirkung von Müdigkeit ist die Weigerung, das Bedürfnis nach Schlaf anzuerkennen und die gleichzeitige Unfähigkeit, wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen.


    Symptome der Müdigkeit während des Fahrens.

    Langsame Reaktionszeit
    • Plötzliche Vollbremsungen, um eine Gefahr zu vermeiden
    • Verschüttete Getränke


    Reduzierte Sensibilisierung / Wachsamkeit
    • Langsameres Fahren als Normal
    • Überrascht werden von einem vorbeifahrenden Auto
    • Zu dichtes Aufahren, Kolonnenfahren
    • Übersehen von Wild (Rehe) oder anderer Gefahrenstellen im Straßenverkehr


    Gedächtnisstörungen
    • Übersehen einer Tankstelle, obwohl man nur noch wenig Kraftstoff im Tank hat
    • Das Vergessen der Geldbörse nach dem Auftanken
    • Den Anruf zum Geburtstag an eine geliebte Person vergessen


    Beeinträchtigung die Entscheidungsfindung
    • Nicht Anhalten um sich auszuruhen, sobald Sie müde sind
    • Eine ungeeignete Route auswählen
    • Unfähigkeit ein Menü von einer Restaurantkarte zu wählen


    Verlust von Situationsbewusstsein
    • Versagen ein Stoppschild oder das Signal zu erkennen
    • Vergessen, den Seitenständer nach unten zu klappen
    • Die Füße beim Anhalten nicht nach unten nehmen
    • Anhalten mit einem eingelegten hohen Gang
    • Kein Anfahren, wenn die Ampel auf Grün schaltet
    • Verwenden von Augentropfen, während man noch seine Brille trägt


    Nachlassende Denkfähigkeit
    • Unfähigkeit das Wechselgeld zu berechnen
    • Unfähigkeit, die weitere Route zu erklären
    • Unfähigkeit, mit seinen Mitfahrern zu kommunizieren
    • Fixierung auf eine Teil-Aufgabe




    VORBEREITUNG

    Es gibt mehrere Dinge, die Sie tun können, um für einen Zeitraum, in dem Sie weniger Schlaf als normal erwarten, vorbereitet zu sein.


    Beginnen Sie ausgeruht.

    Fangen Sie eine ermüdende Tätigkeit nicht mit einem Schlafdefizit an. Halten Sie mehrere Tage vor der Aktivität ihren normalen Ruhezyklus ein. Wenn Sie vorhaben, eine Tätigkeit in den frühen Morgenstunden zu beginnen, versuchen Sie früher einzuschlafen, damit sie ihre normale Ruhezeit bekommen, bevor Sie erwachen. In anderen Worten, wenn Sie 8 Stunden Schlaf benötigen, aber die Tätigkeit um 6 Uhr beginnen wollen, dann versuchen Sie am vorherigen Abend statt um 10 Uhr bereits um 9 Uhr einzuschlafen. Und geben Sie sich Zeit, am Morgen langsam zu erwachen und sorgfältig die Vorbereitungen für die Aktivitäten des Tages zu starten.


    Richtige Ernährung.

    Die richtige Ernährung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind eine wichtige Vorbereitung. Drei kleine Mahlzeiten pro Tag sind besser als eine oder zwei größere Mahlzeiten. Ihr Gehirn braucht die Energiequellen Nahrungsmittelversorgung – deshalb ist das Frühstück ist wichtig. Weil der zirkadianen Rhythmus einen natürlichen Schläfrigkeit am Nachmittag erzeugt, kann ein Protein-und Kohlenhydrat-Snack helfen, diesen Effekt abzuwehren.


    Nicht zu viel Essen.

    Große Mahlzeiten sind schwer zu verdauen und entziehen dem Gehirn Blut und damit die Energie. Viele kleine Mahlzeiten sind besser als wenige Große.


    Setzen Sie Ihren Verstand im Ruhezustand.

    Haben Sie alle Ihre Vorbereitungen für die Fahrt abgeschlossen, bevor Sie Schlafengehen. Die Koffer sollten gepackt, das Motorrad gecheckt, die Ausweise und Papiere am richtigen Ort sein. Erledigen sie alle noch offenen Aufgaben, die Ihre Nachtruhe stören könnten.


    Körperliche Fitness.

    Viele Studien haben gezeigt, dass körperlich fitte Menschen eher in der Lage sind, die Auswirkungen von Müdigkeit zu ertragen. Eine tägliche Routine sollte gleichermassen Kraft- und Ausdauertraining beinhalten. Abnehmen fördert die Fähigkeit, wach zu bleiben..


    Vermeiden Sie Koffein.

    Koffein kann helfen, die Toleranz für Müdigkeit zu erweitern. Seine Wirksamkeit wird deutlich erhöht, wenn man es nur sporadisch benutzt. Wenn Sie sich jeden Tag auf Koffein verlassen, wird Ihr Körper eine durchgehende Versorgung erwarten. Wenn Sie dann nicht Ihre "normalen" Menge an Koffein erhalten, werden Sie wahrscheinlich früher Müde werden als jemand, der nur selten Koffein zu sich nimmt. Dies ist also ein Stressor, und den brauchen Sie nicht während der Fahrt. Wenn Sie nicht an Koffein gewöhnt sind, kann es dabei helfen, die Auswirkungen von Müdigkeit abzuwehren.


    Alkohol.

    Alkohol und Motorradfahren passen nicht zusammen. Das trinken von Alkohol sollte mehrere Tage vor einer Fahrt vermieden werden. Die toxischen Produkte des Alkohol-Stoffwechsels beeinflussen die Gehirnaktivität noch lange, nachdem die spürbaren Auswirkungen verschwunden sind. Zudem stört Alkohol die Fähigkeit des Körpers, Nährstoffe korrekt aufzunehmen und zu verarbeiten.

    Alkohol und Koffein sind Abführmittel - sie verursachen vermehrtes Wasserlassen. Dies hat zwei negative Effekte für den Fahrer. Der wichtigste ist die mögliche Dehydration des Körpers, die sich nachteilig auf die Leistung auswirkt und die Anfälligkeit für Müdigkeit erhöht. Es bedeutet auch häufigere, ungeplante Stopps.


    Bereiten Sie Ihr Fahrzeug vor.

    Ihr Motorrad sollte so ausgestattet sein, dass sich der Komfort erhöht und die Arbeit des Fahrers erleichtert wird. Stellen Sie sicher, dass Sie das Fahrzeug ausreichend sicher beherrschen und alle Ausrüstungsgegenstände (Koffer, Gepäck, GPS, Elektrik…) getestet sind. Ihr Bike soll Ihnen passen, nicht umgekehrt. Hier einige wichtige Punkte zur Vorbereitung auf eine lange Fahrt:


    Persönliche Ausrüstung
    • Fahrkomfort Anzug, Stiefel, Handschuhe
    • Perfekt sitzender Helm
    • Regenkleidung
    • Hilfsmittel zum Heizen und Kühlen
    • Kleidung in mehreren Lagen
    • Sonnenschutz, Feuchtigkeitscreme für Haut und Lippen


    Ergonomie - Ihr Bike muss Ihnen passen
    • Ordnungsgemäß montierter und bequemer Sattel
    • Komfortable Sitzposition
    • Komfortable Position der Fußrasten und der Kontrollen
    • Spiegel richtig einstellen
    • Windshield


    Gepäck
    • Legen Sie die Dinge jedes Mal an die gleiche Stelle
    • Legen Sie häufig verwendete Gegenstände nach Oben
    • Nehmen Sie nur mit, was notwendig ist
    • Seien Sie in der Lage, alles im Dunkeln zu finden
    • Mehrere LED Taschenlampen


    Pannenhilfe
    • Nehmen Sie die Werkzeuge mit, die Sie brauchen
    • Packen Sie ein Reifenreparaturset ein
    • Know how, um sie zu benutzen!
    • Abschleppdienst (ADAC)
    • Erster Hilfe Kasten
    • Gelbe Warnweste
    • Warndreieck


    Kommunikation - Ihre Verbindung zur Welt
    • CB oder FRS Radios
    • Handys – für den Notfall. Datenverbindung für Email oder Google Map.
    • Telefonkarte für den Notfall




    WIRKSAME MASSNAHMEN GEGEN DIE MÜDIGKEIT

    Motorrad und Ausrüstung.

    Wie bereits erwähnt wurde, sollte das Motorrad so ausgelegt sein, das möglichst ermüdungsfreies Fahren möglich ist. Anders ausgedrückt, Sie sollten alles beseitigen, was die "Arbeit" des Fahrers erhöht oder dazu beiträgt, dass er vorzeitig ermüdet. Die Bedienung Ihres Motorrades und all seiner Aggregate muss Ihnen zur zweiten Natur werde – in der Dunkelheit und im Regen sollten Sie ebenso damit vertraut sein wie in Ihrer Garage.
    Eine Windschutzscheibe, die den Winddruck deutlich reduziert und den Regen ablenkt, erhöht die Toleranz gegen Müdigkeit erheblich .

    Man ermüdet sehr viel schneller, wenn der Fahrer sich kontinuierlich gegen den Winddruck stellen muss. Weil er dabei den Rumpf, die Nackenmuskulatur und Beinmuskulatur verspannt und sich gleichzeitig mit der Armmuskulatur am Lenker festhalten muss. Regen erhöht den Stress nochmals erheblich, wobei eine gut eingestellte Windschutzscheibe hilft, diesen zu lindern. Laminar-Flow-Windschutzscheiben, welche den Fahrtwind über den Kopf des Fahrers leiten, minimieren gleichzeitig auch Luftwiderstand und erhöhen die Reichweite. Diese Scheiben müssen nicht gross sein. Oft reicht schon eine kleine Lampenverkleidung, um einen deutlich spürbaren Effekt zu erreichen.


    Lärmschutz

    Es ist erstaunlich, das eine ständige Lärmkulisse verstärkt Müdigkeit verursacht. Ein Gehörschutz kann diesen Stress deutlich verringern. Obwohl es nicht sofort einsichtig ist, schneiden die meisten Einweg-Gehörschutze das Hintergrundrauschen der Straße heraus und ermöglichen es, Gespräche und andere sinnvolle Töne deutlicher zu hören. Sie verringern auch die Gefahr eines langfristigen Hörverlusts durch Exposition mit konstantem Hintergrundlärm.

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	ohrstöpsel.JPG 
Hits:	4759 
Größe:	12,0 KB 
ID:	1565




    Die Fahrt.

    Es gibt viele Aspekte einer Motorrad-Tour, welche die Müdigkeit des Fahrers beeinflussen können. Je schwieriger die Fahrt ist, desto ermüdender wird sie sein. Hier einige Faktoren, die schnell Ermüden:

    • Großer Zeitdruck
    • Schlechtes Wetter
    • Übermäßige Hitze oder Kälte
    • Unbekannten Straßen
    • Monotone Landschaften
    • Lange Nachtfahrten
    • Gefahrenstellen - Wildwechsel und Verkehr
    • Fahrsituationen, die außerhalb der Fähigkeit des Fahrers liegen
    • Komplexe Aufgaben, die während der Fahrt erledigt werden (Navigation, GPS)
    • Ablenkungen - mechanische oder familiäre Probleme


    Obwohl viele dieser Faktoren nicht vollständig vermieden werden können, kann ihre Auswirkung begrenzt werden. Der große Zeitdruck kann durch geeignete Planung einer Route minimiert werden. Nehmen Sie sich nicht mehr vor, als Sie und ihr Bike vertragen können. Behalten Sie einen genügend grossen Puffer an Zeit und Strecke für das Ende der Tour.

    Schreiben Sie ihre geplanten Zeitvorgaben auf und halten Sie sich daran. Geben Sie ein Versprechen an sich selbst und andere, dass Sie diese Vorgaben auf jeden Fall einhalten werden. Planen Sie Ihre Fahrt und fahren Sie dann entsprechend diesem Plan. Versuchen Sie nicht, die Fahrt unterwegs zu verlängern, wenn Sie müde sind.


    Effektives Ausruhen.

    Es gibt keinen Ersatz für Schlaf, um die Müdigkeits-Schulden zu begleichen. Sobald Sie müde sind, muss deshalb wenigstens die Funktionsfähigkeit des Gehirns durch das Auffüllen mit Nährstoffe und die Wiederherstellung seines sehr feinen, chemischen Gleichgewichts erhalten werden.

    Glücklicherweise muss nicht jede Stunde Schlafentzug mit einer Stunde zusätzlichem Schlaf ausgeglichen werden. Aber ein längerer, tiefer Schlaf ist notwendig, um das Gehirn wieder auf den Stand zu bringen, den es vor dem Schlafentzug hatte. Ein wiederholter Schlafentzug hat eine kumulative Wirkung; je länger Sie warten, um die Schulden zurückzuzahlen, desto mehr zusätzlichrt Schlaf wird notwendig sein.

    Wenig Schlaf ist besser als gar kein Schlaf. Aber einfaches Ausruhen ist kein Ersatz für Schlaf. Leistungstests haben gezeigt, dass schon nach einem kurzen Mittagsschlaf eine verbesserte geistige und körperliche Funktion nachzuweisen ist. Und das völlig unabhängig davon, ob eine Testperson den Unterschied selber bemerkt.

    Die Forschung hat gezeigt, dass jeder Schlaf, der länger als fünf Minuten dauert, hilfreich ist und einen kumulativen Effekt hat. Je mehr Schläfchen gemacht werden, desto besser. Wenn man aus einem Nickerchen erwacht, dass länger als 45 Minuten, aber weniger als 2 Stunden dauert, kann eine Schlaf-Trägheit eintreten. Das ist ein Zustand der Desorientierung, die 15-20 Minuten dauert. Somit ist das effektivste Schläfchen eines, das mindestens 5 Minuten, aber nicht länger als 45 Minuten dauert.

    Zwei Stunden ununterbrochener Schlaf gewährleistet einen vollständige Schlaf-Zyklus. Daher sollte man mindestens 2 Stunden schlafen, wenn man ein Nickerchen mit mehr als 45 Minuten machen will.

    Der körpereigene, normalen zirkadianen Schlafrhythmus neigt dazu, Schlaf von 02.00 Uhr bis 08.00 Uhr sowie von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr zu begünstigen. Daher sollte ihr Nickerchen mit diesen Zeiten zusammenfallen. Sie werden schneller einschlafen und die Effektivität des Schläfchens wird sich erhöhen.

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	Napping.JPG 
Hits:	4965 
Größe:	76,9 KB 
ID:	1563
    (* Bild3: Ein Mittagsschläfchen wird vom gestiegenen Schlafdrang um diese Zeit begünstigt. Es zahlt die aufgelaufene Schlafschuld zurück, wodurch man länger Wach bleiben kann *)

    Das wirksamste Schläfchen ist eines, das mindestens 5 Minuten aber nicht länger als 45 Minuten dauert.



    Schlafen unterwegs

    Wenn Sie unterwegs ein Nickerchen halten wollen, dann sollten Sie sich eine möglichst bequeme Stelle aussuchen, die einen ununterbrochenen Schlaf mit minimaler externer Stimulation/Störung ermöglicht. Ein kleiner Schlafsack und ein kleines „Schmusekissen“ erhöhen den Schlafkomfort erheblich.

    Seit mehreren Jahren gibt es unter den Langstreckenfahrern eine hitzige Debatte darüber, ob man das Tanken, die Essen/Gaststättenbesuche und die Schlafstops kombinieren soll. Viele erfahrene Fahrer befürworten, das Tanken und die Essenspausen getrennt zu halten von den Ausruhphasen. Damit erhält man besser überschaubare Zeitsegmente und kommt am Ende der Fahrt weniger schnell in Zeitnot. Wenn man schnell voran kommt, hätte man zwischendrin sogar Zeit für ein Bett in einem Motel.

    Das umgekehrte Argument lautet, dass eine sinnvolle Rast, welche das Schlafdefizit verringert, nicht unter 5 Minuten Schlaf zu erreichen ist. Also kann man auch gleich nach dem Tanken eine Schlafpause machen. Es ist Ihre Fahrt, Sie entscheiden.


    Sozialisation.

    Die Pflege von persönlichen Kontakten mit Anderen kann ein Weg sein, die Wachheit kurzfristig zu erhöhen. Da die Sprache eine sehr hohe intellektuelle Funktion hat, kann ein Gespräch mit einem Anderen (CB, Handy mit Freisprechanlage) durchaus geeignet sein, den Fahrer wach zu halten. Manchmal allerdings, wenn man bereits tief erschöpft ist, kann es passieren, dass man unmittelbar nach dem Auflegen trotzdem einschläft.


    Turnübungen und andere externe Stimulation.

    Walking oder Turnübungen helfen dabei, die Aufmerksamkeit zu steigern, weil die körperliche Aktivität Konzentration erfordert und den Blutfluss erhöht. Allerdings können starke Aktivitäten auch die Müdigkeit erhöhen, indem die rasch abbaubaren Nährstoffe aufgebraucht werden. Zudem kann die entstehende Muskelermüdung dem Körper weiteren Stress zufügen.

    Manche stellen sich auf die Fussrasten des Motorrades um sich den Wind um das Gesicht wehen zu lassen, oder essen heisse Süssigkeiten oder haben sonst einen „Trick“, um schnell wach zu werden. Diese Mittel funktionieren, wenn überhaupt, nur kurzfristig und können ein Nickerchen nicht ersetzen.


    Ernährung und Flüssigkeitszufuhr.

    Die Aufrechterhaltung ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig, um die Auswirkungen von Müdigkeit abzuwehren. Dehydration kann tödlich sein, wenn sie mit der Hitze des Sommers und dem unmerklichen Wasserverlust durch den Fahrtwind verbunden ist. Dehydration verringert deutlich die geistige und körperliche Funktionsfähigkeit, beschleunigt das Aufkommen von Müdigkeit und vergrößert dramatisch deren Auswirkungen.

    Die Symptome der Dehydratation sind Kopfschmerzen, Übelkeit, trockene Lippen und Mund, Muskelschwäche und verminderte Konzentration. Viele der Symptome der Dehydrierung sind die gleichen wie die der Ermüdung.


    Trinken Sie mehr als Sie brauchen.

    Trinken Sie Getränke, die den Körper neue Wasserreserven hinzufügen. Leitungswasser oder aromatisiertes Wasser Getränke sowie "Elektrolyt-Getränke (z. B. Gatorade ®) genügt. Lassen Sie nicht zu, dass Sie erst durstig werden, bevor Sie trinken.

    Wenn Sie Kopfschmerzen haben, sind Sie bereits deutlich im Wassermangel und Sie müssen sofort mindestens einen Liter Wasser trinken. Viele Fahrer tragen eine komfortable Wasserspeicher-System (Camelback), das aus einem wassergefüllten Sack auf dem Rücken besteht, aus dem der Fahrer durch einen Schlauch auch während Fahrt trinken kann.


    Koffein.

    Koffein kann durchaus hilfreich sein bei der Verbesserung der Wachheit. Allerdings sind die Menschen, die regelmäßig Koffein trinken, weniger empfindlich auf seine Wirkung. Um die maximale Wirkung von Koffein zu erreichen, sollte ein Fahrer die Einnahme von Koffein für mehrere Tage vor der Fahrt stoppen.

    Die Einnahme von Koffein kann strategisch für maximalen Nutzen gesteuert werden. Koffein ist sehr wirksam in einer Menge von 100-200 mg (ein grosser Pott Kaffee). Es dauert etwa 30 Minuten, um die maximale Wirkung zu erhalten. Die Wirkung hält für 3-4 Stunden an (obwohl eine erhebliche Menge von Koffein für viele Stunden im Blut bleibt).

    Vermeiden Sie Koffein innerhalb von 8 Stunden vor der Einschlafzeit. Es erschwert das Einschlafen, verkürzt die Dauer des Schlafes, und stört den erholsamen Schlaf.


    Drogen.

    Obwohl das Militär mit einer Vielzahl von Stimulanzien experimentiert hat, hat keine der Drogen das Schlafdefizit oder das Bedürfnis nach Ruhe reduziert. Sie können für kurze Zeiträume die Leistung verbessern und die Wachheit erhöhen, aber langfristig (über Tage hinweg) schaffen sie es nicht. Die Leistung kann im Gegenteil erheblich verringert werden, sobald die ersten Dosis abgeklungen ist.

    Stimulanzien (Doping) gehören nicht in den Sport. Punkt!

    Sie können die Müdigkeit nicht überwinden! Sie müssen lernen, sie zu erkennen und wirksame Maßnahmen zu ergreifen - SCHLAFEN!

    Keine Fahrt ist Ihr Leben Wert !




    ©Don Arthur, M.D.
    donarthur@cox.net
    Hinweis: Die hier geäusserten Meinungen sind die des Autors. Und obwohl sie auf wissenschaftlichen Fakten beruhen, sollten sie nicht als Anleitung verstanden werden und nicht das Urteil des einzelnen Fahrers ersetzen. Alle Fahrten sind unterschiedlich und alle Fahrer sind einzigartig. Sie müssen immer Ihre eigene Tour fahren. Innerhalb der Grenzen Ihrer Fähigkeiten, ihrer Ausbildung und ihrer Erfahrung.

    Übersetzung: Peter Viczena. www.g-homeserver.com/harley-davidson
    Geändert von peter (07.12.2012 um 14:49 Uhr)

  4. #4
    Administrator Avatar von peter
    Registriert seit
    06.02.2010
    Beiträge
    748
    Blog-Einträge
    1
    Downloads
    57
    Uploads
    21

    Standard Re: AW: Harley Fahrtechnik, Iron Butt Association, European Road Runner 2013

    In diesem Jahr fand zum ersten Mal die European Road Runner Motorcycle Rally in Deutschland statt. Weil sie von der Iron Butt Association veranstaltet wurde, ging es um viele Kilometer in kurzer Zeit. Zusätzlich sollten bei dieser Rally Punkte gesammelt werden, indem man vorgegebene Checkpoints anfahren und per Photo dokumentieren musste.
    The World Is Our Playground!: IBA Germany European Road Runner 2013


    Ich wollte schon immer mal an so einer Rally teilnehmen. In den USA sind diese Veranstaltungen deutlich häufiger als bei uns. Zudem war eine gute Freundin (Claudia) von meinen Erzählungen so angetan, dass sie auch unbedingt mal 1600km in 24 Stunden fahren wollte. Da hat es sich angeboten, dass wir beide bei diesem Wettbewerb mitmachen. Wir haben noch nie an so einer Veranstaltung teilgenommen, entsprechend neugierig waren wir, wie das Ganze so ablaufen würde.

    Unsere Maschinen waren gut präpariert, von daher hatte ich keine Bedenken. Und auch das Wetter schien mitzumachen. Nach (leider oberflächlichem) Studium der Wettervorhersage habe ich mich auf mildes Herbstklima eingestellt. Also ging ich davon aus, dass ich mit meinen Ledersachen und einem elektrisch heizbaren Anzug von Gerbing (den ich ursprünglich für meine Winterfahrten mit dem Gespann in Norwegen angeschafft hatte) gut ausgerüstet wäre.


    Freitag, 27.9.2013

    Der Tag der Anreise. Für uns hiess das von Stuttgart nach Bamberg. Es war richtig warm. So warm, dass ich beim Louis noch ein paar Sommerhandschuhe gekauft habe. Die Heizwäsche wanderte in die Packtasche. Wir sind auch nicht die ganze Strecke auf der Autobahn gefahren, sondern haben einen touristischen Abstecher durch das Jagsttal gemacht. Gut gelaunt kamen wir gegen 14.00 Uhr an.

    Der Start war bei Bertls Harley Davidson in Bamberg. Bertl's Harley Davidson & Buell - Bertl's Harley Davidson & Buell. Die Firma Bertls war sehr Gastfreundlich, und wir konnten die ganzen Tage (einschliesslich Sonntag) die Räumlichkeiten nutzen.

    Los ging es um 15.00 Uhr mit dem offiziellen Check der Maschine und der Ausrüstung. Papiere, Versicherung, Werkzeug, Ohrstöpsel, Wasser, Sonnenbrille, Regenkombi, Tape... Wieso Tape? Alles hatte ich dabei, nur kein Tape. Also bin ich schnell zu Bertls in die Werkstatt und habe denen eine Rolle Panzerband abgekauft. Dieses Panzerband sollte mir noch gute Dienste leisten.

    Nach dem Check ging es auf die Eichfahrt, bei welcher der Tachometer abgeglichen wurde. Gleich neben dem Startort liegt die Autobahn Richtung Bayreuth. Also rauf auf die Autobahn, 28km bis zur angegebenen Abfahrt fahren, wenden und 28km wieder zurück. Zusammen mit der Zufahrt zur Autobahn mussten 58,2 km rauskommen. Wer mehr oder weniger auf dem Tacho hatte, bekam einen entsprechenden Korrekturfaktor eingetragen. Claudia und ich hatten recht exakt funktionierende Tachometer, unsere Abweichung lag bei unter 1%.

    Erst jetzt bekamen wir unsere Startnummern und die Unterlagen. Ich hatte Startnummer 38, Claudia die Nummer 40. Wir wurden nicht als Einzelfahrer eingetragen, sondern als Team. Mit der Konsequenz, dass immer nur das schwächere der beiden Ergebnisse gezählt wurde. Sollte also einer von uns ein Photo vergessen, und dafür Punktabzug bekommen, dann gilt das auch für das andere Teammitglied.

    Es wurde uns das Streckenbuch ausgehändigt, in dem die anzufahrenden Ziele verzeichnet waren und die jeweilige Punktzahl, die es dafür jeweils gab. Das Streckenbuch war sehr aufwendig und professionell gestaltet. Ich werde sicher bei meinen nächsten Urlaubsfahrten einige von den Zielen anfahren, einfach nur weil sie schön liegen und interessant sind.

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	roadbook.jpg 
Hits:	3204 
Größe:	59,3 KB 
ID:	1831



    Zusätzlich bekamen wir eine kleine Flagge mit der Startnummer, die auf jedem Photo mit abgebildet sein muss. Dazu eine Fahrtenbuch, in welches man (pedantisch) bei jedem Zwischenstop die Kilometeranzahl und die Bezeichnung des angefahrenen Zieles eintragen musste. In der letzten Spalte trug man die Punkte ein, die es für das jewelige Ziel gab. Zusammengezählt entscheiden dann diese Punkte (zusammen mit den gefahrenen Kilometern) über die Platzierung.

    Und wer dann noch einen USB Stick dabei hatte, der bekam die gesamten Wegpunkte als GPX Datei aufgespielt. Wichtig war auch die Kontrolle der Kamera; auf dem Datenspeicher durfte nix anderes drauf sein wie die Rally Photos. Gleich an Ort und Stelle wurde dann auch das erste Photo mit den Juroren gemacht. Der ganze Papierkram steckte in einer äusserst praktischen und stabilen Kuststofftasche mit Reissverschluss.

    Die meisten Mitbewerber haben schon an Ort und Stelle angefangen, Ihre Route zu planen. Ich hielt das für übertrieben (fälschlicherweise). Abends im Hotel würde die Zeit wohl schon reichen. Die Zeit bis zur Fahrerbesprechung um 18.00 Uhr, an der Jeder teilnehmen musste, vertrieben wir uns damit, die anderen Bikes anzusehen. Es gab einen deutlichen Überhang an BMWs, aber auch einige Harleys, Yamahas und eine Honda 500 (die später unter den ersten 10 landen sollte) waren dabei. Wir waren da relativ normal unterwegs, ich mit meiner Harley Roadking, Claudia mit einer Harley Dyna Glide. Beide Fahrzeuge ohne besondere Langstrecken-Ausstattung. Ausser das Claudia eine Scheibe montiert hatte.

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	start rally.jpg 
Hits:	3326 
Größe:	100,7 KB 
ID:	1844



    Mich wunderte die wintermässige Ausrüstung einiger Bikes. Stulpen und sogar eine Fahrer-Schutzdecke waren montiert. Dazu oftmals Zusatzscheinwerfer. Die Winterausrüstung hielt ich für übertrieben. Schliesslich verbaue ich sowas nur, wenn ich im Winter nach Norwegen fahre. Und wir haben ja erst September. Auch da sollte ich mich gewaltig geirrt haben. Nicht im Monat, aber in der Temperatur.

    Die Fahrerbesprechung war kurz und knackig. In einer Stunde wurden alle wichtigen Regeln und Fakten besprochen und Fragen beantwortet. Bei der Flagge hat der Chef nur lapidar angemerkt: Da wisse ja jeder was damit zu geschehen hätte. Da musste ich mich als absoluter Neuling outen und trotzdem die Frage stellen, was denn damit gemeint sei, ob die Flagge wirklich auf jedem Bild sein muss...

    Die Teilnehmer waren allesamt sehr freundlich und hilfsbereit und haben mit Hinweisen und hilfreichen Tricks nicht gespart. Ein Kollege hat zum Beispiel seine Flagge mit zwei extra grossen Kabelbindern verstärkt, damit man sie aufstellen kann. Auf meine Nachfrage hin hat er mir und Claudia seine restlichen Kabelbinder geschenkt. So konnte auch wir unsere Flaggen aufstellen. Nochmals vielen Dank!

    Wir fuhren zum Hotel, um einzuchecken. Dann ein Abendessen beim Chinesen um die Ecke. Um 10.00 Uhr waren wir wieder im Hotelzimmer und die Planung konnte beginnen. Aber so einfach war das nicht. Grundsätzlich gab es eine Südstrecke (Dolomiten, Südtirol) und eine Nordstrecke (Rügen, Usedom). An den Endpunkten häuften sich die Checkpunkte, aber auch auf dem Weg waren noch einige Punkte zu kassieren. Wir haben uns relativ schnell dazu entschlossen, die Nordroute zu fahren. Erstens waren wir noch nie auf Rügen, zweitens kannte ich die allermeisten Punkte der Südroute schon, und drittens fand ich es keine spassige Idee, mitten in der Nacht über den Wurzenpass zu fahren.

    Der kleine Laptop, den ich zu diesem Zweck mitgenommen hatte, war nicht ganz ideal. Zudem klappte die WLan Verbindung des Hotels nicht. Also gabe es nur die Möglichkeit, die langsame Datenverbindung über mein Handy zu nutzen. Zusammen mit der relativ geringen Arbeitsgeschwindigkeit des Rechners lief das Planungsprogram (Tyre) zäh wie Honig. Eine Stunde und mehrere Programmabbrüche später waren die südlichen Punkte gelöscht und eine erste grobe Route erschien auf dem Rechner. Das wären dann 2600km gewesen. Illusorisch für uns. Unser Ziel war zwar, mehr als 1600km zu fahren, damit Claudia das Saddle Sore 1600K Zertifikat erhält, aber mehr als 1800km würden wir unter diesen Umständen sicher nicht schaffen. Also hiess es weitere Checkpunkte auszusieben, um die Strecke zu optimieren.

    Gegen 2.00 Uhr Morgens war es dann geschafft. Wir würden nach Rügen hochfahren (links von Berlin), und dann rechts von Berlin wieder zurück nach Bamberg. Nach Rechnerangaben müsste wir dann nach 23 Stunden und 45 Minuten wieder ankommen. Schöner Plan. Die Route habe ich auf die GPS Geräte (Zumo 660) übertragen.

    Die erste Hälfte der Strecke ging nach Norden. Von Bamberg nach Bayreuth, Hof, Leipzig, Brandenburg, Rostock nach Rügen. Die zweite Hälfte nach Süden. Über Eberswalde, Dresden, Hof zurück nach Bamberg. Da der Garmin von der kompletten Route überfordert war (Absturz), mussten wir die Route in zwei Teile zerlegen. Eine Nordroute und eine Südroute. Unser Ziel war es, spätestens 19.30 Uhr am obersten Punkt der Reise anzukommen. Genau dort, wo wir von der Nordroute auf die Südroute wechseln würden.



    Größere Kartenansicht




    Samstag, 28.9.2013

    Morgens um 8.00 Uhr sollte die Rally starten. Am Sonntag um Punkt 8.00 Uhr musste jeder Fahrer die Ziellinie wieder überfahren haben, um in die Wertung zu kommen. Der zweite Faktor, um gewertet zu werden war, dass man mindesten 1000km zurückgelegt haben musste.

    Nach einem umfangreichen Frühstück im Hotel waren wir um 7.00 Uhr am Startplatz. Als eine der Letzten. Die Profis haben sich schon sehr früh ganz vorne postiert, um schnell wegzukommen. Überraschenderweise (für mich) war es über Nacht doch ganz schön kühl geworden. Die elektrische Heizung hatte ich erstmal ausgelassen, weshalb ich mit einem leichten Fröstelgefühl ankam.

    Die erste Aufgabe im Fahrtenbuch sorgte beim Start für etwas Konfusion. Es ging darum, von sich und der Maschine ein Bild zu machen, und zwar mit Bertls Harley Davidson im Hintergrund. Das gab zwar nur 120 Punkte, aber wenn man weitere 5 Orte in Bamberg zusammen hatte, dann bekam man einen Sonderbonus vom 5000 Punkten. Beachtlich. Also fuhren die meisten (so auch wir) über die Startlinie, wendeten und stellten die Maschine wieder vor Bertls ab, um das Photo zu machen. Das führte beim Start dazu, dass einem ständig Maschinen entgegenkamen, man selber wenden wollte und manche Maschinen hinter einem möglichst schnell auf die Autobahn wollten. Nicht Ideal. Aber das ganze lief ohne weitere Zwischenfälle ab.

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	bertls.jpg 
Hits:	3276 
Größe:	71,4 KB 
ID:	1827


    Dann waren auch wir auf der Autobahn unterwegs, hin zu unserem ersten Ziel. Nach einigen Kilometern dachte ich mir, dass es an der Zeit wäre, den elektrischen Anzug anzustellen. Gedacht, getan und nix tat sich. Wahrscheinlich die Sicherung. Ich also raus auf den ersten Parkplatz und die Sicherung gewechselt. Statt einer 15Ampere kam jetzt eine 30 Ampere rein. Bei der Gelegenheit teilte mir Claudia mit, dass auch ihre Sicherung raus sei. Also Sitzbank abbauen, Sicherung wechseln, Sitzbank wieder drauf.

    Ich schalte zum Test meine Heizung ein, und dann rieche ich nur noch verschmorte Elektrik und sehe weissen Rauch aus dem Heizungsregler aufsteigen. Totalschaden. Keine Heizung mehr. Und weil es so schön war: Claudias Heizanzug ging auch nicht. Sie hatte erst kurz vor der Rally die elektrisch heizbare Hose dazugekauft und nicht getestet. Jetzt stellte sich heraus, dass entweder die Jacke oder die Hose geheizt haben. Aber nicht beide zusammen. Also hat sie entweder oben gefroren, oder unten.

    Wir sind dann weitergefahren und ich habe mir Gedanken gemacht, wie die Nacht wohl werden wird. Das erste (und nicht das einzige Mal in den nächsten 24 Stunden) dachte ich mir: "Scheixxe, zu Hause hängt dein Klimaanzug, der dich bis -60 °C warm hält im Schrank, und ich friere mir hier den Arxxx ab."

    Nach weiteren 100 Kilometern lag ein grosses Einkaufszentrum an der Autobahn. Ich bin also abgefahren mit dem Gedanken, mir "ganz schnell" wenigstens warme Unterwäsche zu kaufen. Ganz schnell geht aber in so einem Riesenkomplex gar nicht. Bis ich mal beim C&A war, die Unterwäsche gekauft und wieder zurück war, waren 45 Minuten vorbei. Wertvolle Zeit, die uns später fehlen sollte. Und es waren nicht die einzigen Zeitfresser auf dieser Fahrt.

    Ein weiterer negativer Faktor war die Programmierung unserer Einspritzanlage. Die war so eingestellt, dass man Spritsparend bis 110 km/h fährt und darüber mehr Sprit eingespritzt wird, um Leistung zu bekommen. Das funktioniert prima bei normalen Urlaubsfahrten, bei denen man mit der Harley gemütlich über Pässe fährt. Hier ging es aber um Geschwindigkeit. Und bei einer Reisegeschwindigkeit von 130-140km/h war alle 200km ein Tankstop fällig. Wenn man für jeden Tankstop 10 Minuten ansetzt (Tanken, Pipi, Kleidung richten, Trinken...), dann sind das bei 9 Tankstops schon 90 Minuten. Wer mit seinem Motorrad alleine unterwegs ist und nur alle 400km tanken muss, der spart allein dabei schon locker 50 Minuten ein. Mir war die Sache schon seit meiner letzten Iron Butt Tour nach Gibraltar bekannt, aber irgendwie habe ich mich nicht aufraffen können, die Programmierung bei meinem Bike zu ändern.

    Ein weiterer nicht unbeträchtlicher Zeitfresser ist das Fahren im Team. Bei jedem Photostop dauert es zu zweit gleich doppelt so lange (weil jeder sein Photo machen muss). Irgendwie sind Teams nicht der Bringer. Was sicher der Grund ist, weshalb die allermeisten Teilnehmer alleine fahren.


    Unterwegs haben wir einige Checkpunkte besucht und Photographiert. Darunter die Absturzstelle von Otto Lilienthal (inklusive 1km Fussmarsch steil die Treppen rauf) und zwei Trafostationen. Diese künstlerisch bemalten Trafostationen waren sehr nett. Sie lagen ausserhalb der normalen Route und führten in eher beschauliche und ruhige Gegenden. So lernt man Deutschland kennen. Einzeln ergaben diese Trafohäuschen nur wenige Punkte, aber wenn man 5 der insgesamt sieben Trafos photographiert hat, dann gab es für jedes besuchte Trafohäuschen 1200 Punkte extra. Also war unser Ziel, mindestens 5 anzufahren und die Sonderpunkte zu kassieren.

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	lili.jpg 
Hits:	3225 
Größe:	102,6 KB 
ID:	1828


    Desweiteren gab es Sonderpunkte, wenn man die beiden Autofähren benutzt, die in Rügen für die Touristen in Betrieb sind. Die Glewitzer Fähre und die Wittower Fähre. Der Punkt war, dass beide Fähren nur bis 20.00 Uhr in Betrieb sind. Also mussten wir unsere Planung entsprechend einrichten. Wir haben beide rechtzeitig erreicht und waren um 19.00 Uhr bei der zweiten Fähre. Der nördlichste Punkt war dann die Schiffsanlegestelle in Dranske. In der Zwischenzeit ging die Sonne unter. Sehr schön. Wir haben viele Leute am Wegrand gesehen, die den Sonnenuntergang photographiert haben. Wir hatten dafür keine Zeit. Ich werde deshalb sicher mal mit mehr Zeit nach Rügen zurückkehren.

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	dranske.jpg 
Hits:	3212 
Größe:	30,4 KB 
ID:	1829


    In Dranske haben wir dann eine Pause gemacht, die leider wieder zu lang ausfiel. Ein 4-Sterne Restaurant direkt an der Anlegestelle brauchte eine 3/4 Stunde, um zwei heisse Suppen und zwei Kaffees zu liefern. Das brachte unseren Zeitplan nochmals ins Schleudern. Zudem meldete Claudia, dass ihre Heizung wieder ausgefallen sei. Ein bischen an den Kabeln gewackelt, und es lief wieder. Das war aber kein Dauerzustand, wie sich noch zeigen sollte.

    Ein Gutes hatte das aber. Claudia zeigte mir beiläufig ihren Y-Verteiler, den sie jetzt nicht mehr brauchte, weil ja immer nur eine der beiden Kleidungsstücke gleichzeitig funktioniert. Und wie das Leben so spielt: Genau dieser Verteiler konnte meinen ausgefallenen Regler ersetzen. Damit konnte ich meinen Anzug (Jacke, Hose, Handschuhe, Fussohlen) komplett mit der vollen Bordspannung versorgen. Zwar nicht mehr Regelbar, aber besser weichgekocht als hartgefroren. Während der Fahrt stabilisierte sich dann aber ein wohlig warmes Gesamtklima am ganzen Körper. Jedenfalls in der ersten Hälfte der Nacht. Später dann wurde es trotz Heizung ungemütlich kalt. Da musste ich zusätzlich den Regenkombi überziehen. Und zu Hause hing mein Klimakombi im Schrank, grrr...

    Die letzte Station auf Rügen war die Anlegestelle Göhren. Da war es schon Stockfinster und keine Menschenseele war zu sehen. Ausser zwei Security Leuten die glaubten, die öffentliche Ordnung dadurch wiederherstellen zu müssen, dass sie unsere Bikes auf den 1km entfernten Parklatz verweisen. Wir fuhren 100m weg und gut wars. Dann ein Fussmarsch raus auf den Anleger und das Photo machen. Nada. Ging nicht. Wir hatten beide jeweils eine digitale Spiegelreflex dabei (weil ich nur von dieser sicher sagen konnte, dass sie wirklich funktioniert). Mitten in der dunklen Nacht, in der Kälte, auf dem Anleger von Göhren glaubten die beiden Kameras, sich abschalten zu müssen, weil es zu finster war. Da stehen wir und können kein Photo machen. Nach 10 Minuten herumprobieren hat eine der Kameras sich erbarmt, dann doch noch zu blitzen. Weitere 10 Minuten später auch die andere.

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	göhren.jpg 
Hits:	3128 
Größe:	29,1 KB 
ID:	1830


    Jetzt war es fast 22.00 Uhr geworden. Also haben wir kurz abgewartet, um unser SMS zu senden. Denn wenn man zwischen 22.00 und 1.00 ein SMS an den Veranstalter sendet, dann gab es Sonderpunkte. Dann kam Claudia auf die glorreiche Idee, im Licht der Strassenlaterne die Verkabelung so zu ändern, dass Sie während der Fahrt den Stecker zwischen Jacke und Hose wechseln konnte. Also Sitzbank ab, Kabel rausgezogen, Sitzbank drauf, und nix ging mehr. Keine Heizung. Sicherung kontrolliert: war in Ordnung.

    Da ich keine Reparaturen im Funzellicht machen wollte, schlug ich vor, bis zur nächsten Autobahnraststätte zu fahren, wo ich genügend Licht habe, um die Verkabelung zu überprüfen. So fuhren wir los. Ich wusste nur nicht, dass die nächste Tankstelle auf dem Weg rund 180km entfernt sein wird. Claudia fuhr also diese Strecke auf der Autobahn ohne Heizung. Bei einer Aussentemperatur von vielleicht 5°C. Damit sie nicht zu sehr auskühlt, sind wir nur 100 km/h gefahren.

    Ich habe einen kurzen Eindruck davon bekommen, wie sehr sie gefroren haben muss, als 30 km vor der Raststätte auch meine Heizung ausgefallen ist. Es war aber nur das Kabel rausgerutscht, was ich sehr schnell wieder zusammenstecken konnte. Das Kabel habe ich dann beim nächsten Halt mit dem Panzertape gesichert. Die ganze Zeit hatte ich allerdings ein schlechtes Gewissen, dass ich es warm und mollig hatte, während Claudia hinter mir so elendig frieren musste.

    Bei der Tankstelle angekommen war es 23.30 Uhr. Die Tanke war beleuchtet, aber es war niemand weit und breit zu sehen. Kein Zapfhahn funktioniert. Super. Mein GPS meldete weitere Tankstellen in der unmittelbaren Nähe, die sich aber alle nur als Phantome erwiesen. Also dann zurück zur ersten Tanke, denn da war wenigstens genügend Licht, damit ich die Elektrik überprüfen konnte.

    Kaum sind wir da wieder eingefahren, kam die Angestellte aus dem Hinterraum und machte uns auf. Wir konnten Tanken, Claudia konnte sich im Tankstellenraum bei einem heissen Kaffee aufwärmen und ich habe die Leitungen kontrolliert. Es ergab sich, dass die Anschlussleitung zwei Sicherungen hatte. Eine "normale" Stecksicherung und eine zylindrische Schraubsicherung. Die war wohl früher mal kaputt gegangen und wurde damals mit Aluminiumfolie geflickt. Diese Alufolie hatte sich aufgelöst. Mit neuer Alufolie habe ich das ganze nochmal geflickt und die Heizung ging wieder.

    In der Zwischenzeit war Claudia auch wieder fit und die Aussicht auf eine funktionierende Heizung gab ihr neuen Aufschwung. Und ich muss anerkennend sagen: Sie hat die ganze Zeit weder geklagt, noch sich beschwert. Diese Frau ist hart im Nehmen. Mit solchen Frauen kann man ganze Zivilisationen aufbauen.


    Sonntag, 29.9.2013

    Als wir dann Weiterfuhren war es 0.00 Uhr. Noch 8 Stunden bis zum Ziel. Und noch 650km vor uns. Und was das Schönste war, wir mussten ein Stunde Zwangspause machen. Das war so vorgeschrieben und musste mit Belegen nachgewiesen werden. Wer diese Pause zwischen 23.00 Uhr und 2.00 Uhr nicht machte, wurde disqualifiziert.

    Wir also rauf auf die Autobahn und eine Autobahnraststätte gesucht. Die sind relativ selten im Norden. Erst um 1.30 Uhr fanden wir eine Raststätte, die uns neben den begehrten Belegen auch mit einer warmen Suppe und einem gewärmten Gastraum beglückte. Da waren dann auch schon zwei weitere Teilnehmer, die aber schon früher angekommen waren und deshalb auch schon früher weiterfahren konnten.

    Claudia hat geschlafen, während ich unsere Optionen im Kopf durchgespielt habe. An weitere Trafostationen oder andere Checkpunkte konnten wir nicht mehr denken. Die einzige Option war das Tanken in Dresden. Denn da wurde die Uhrzeit als Masstab für Sonderpunkte genommen. Die volle Stunde mal 1000 ergab die Punktezahl. Weil wir um 5.17 Uhr da waren, gab es dafür 5000 Punkte. Und weil wir sowieso dort tanken mussten, habe ich diese Punkte mitgenommen. Ansonsten ging es jetzt nur noch ums Ankommen. Es wäre blöd gewesen, wenn wir die ganze Nacht gefahren wären, ohne unser Ziel rechtzeitig zu erreichen.

    Zudem machte mir Sorgen, dass zwischen Leipzig und Bamberg einige Autobahnbaustellen lagen, die uns bei der Hinfahrt schon mit Stop&Go beglückt hatten. Ein einziger Stau, und wir würden unser Ziel nicht mehr erreichen können.

    Um 2.45 Uhr waren wir wieder unterwegs. Jetzt hiess es nur noch fahren, fahren, fahren. Und das Glück war mit uns. Alle Baustellen waren leer. Wir konnten durchfahren. Es war eine mondlose Nacht. Meistens fuhren wir alleine auf der Autobahn. Das ist wie wenn man in schwarzer Watte fährt. Jetzt verstehe ich auch die Zusatzscheinwerfer an den Profibikes. Die einzige Abwechslung waren die Masten der allfälligen Windkraftanlagen. Die hatten oben rote Positionslichter, welche durch die (in der Nacht nicht sichtbaren) Rotorblätter im Gleichtakt unterbrochen wurden und ein Meer von gleichmässig flackernden Lichtern am Himmel erzeugt haben. Irgendwie Surreal. Ansonsten war es nur kalt und dunkel.

    Um 7.00 Uhr ging die Sonne auf. Ganz langsam wurde es wieder wärmer. Die Stimmung stieg. Der Gedanke an den Endspurt hat aber alle romatischen Gefühle verdrängt. Jetzt konnten wir noch ein bischen schneller fahren, während ich auf dem GPS ständig die Restzeit mit den Restkilometern verglichen habe.

    Um 7.50 Uhr fuhren wir in Bamberg über die Ziellinie. Erschöpft, aber aufgekratzt. Wir hatten es geschafft. Vor allen Dingen hatte es Claudia geschafft.


    Wertung

    Bei Bertls war ein grossartiges Frühstück für uns gerichtet. Wir haben unsere Fahrtenbücher ergänzt und komplettiert. Dann musste jeder Teilnehmer vor die Juroren, seine Bilder zeigen und die Punkte erklären, die er angerechnet haben wollte. Wir hatten 39520 Punkte und sind 1697 km gefahren. Trotz aller Widrigkeiten.

    Um 10.30 waren dann alle Teilnehmer abgearbeitet und die Jury zog sich zur Beratung zurück. Jetzt fiel entgültig die ganze Anspannung von uns ab. Während wir vorher noch der Meinung waren, wir würden am selben Tag nach Stuttgart zurückfahren (ein Katzensprung), fielen uns jetzt die Augen zu vor Müdigkeit. Deshalb sind wir noch eine Nacht im Hotel geblieben, und erst am Montag zurückgefahren.

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	urkunde klein.jpg 
Hits:	2907 
Größe:	73,5 KB 
ID:	1845


    Um 11.00 gab es dann die Siegerehrung. Es waren 43 Teilnehmer gestartet. 40 Teilnehmer kamen ins Ziel. Wir haben Platz 26 belegt. Der Sieger (Roberto) hatte über 70.000 Punkte und ist die Südroute gefahren. Er hat offensichtlich jeden Pass abgefahren, der auf der Liste stand. Ein Profi, der auch regelmässig bei solchen Rallies ganz vorne mitfährt. Lob und Anerkennung.

    Wir waren mit unserem Ergebniss sehr zufrieden. Hätten wir nicht die immensen Zeitverluste durch die Heizungsprobleme gehabt, wären wir punktemässig etwa 10 Plätze weiter vorne gelandet. Am wichtigsten war mir aber, dass wir die 1600km in 24 Stunden gefahren sind. Trotz Kälte, technischer Probleme und knapper Zeit. Damit hat sich Claudia ihr Saddle Sore 1600K Zertifikat redlich verdient.

    Im nächsten Jahr findet wieder eine Iron Butt Rally statt, die dann durch ganz Europa führt und fünf Tage dauert. Sowas wie NonStop vom Nordkap nach Sardinien und zurück. Ich habe mich schon angemeldet. Und dann werde ich meinen Klimaanzug dabeihaben. Ganz sicher!

    Hier noch ein netter Youtube Beitrag von einem anderen Teilnehmer




    P.S.: Das ist der 1000ste Beitrag in diesem Forum.

    © 2013 Peter Viczena
    Geändert von peter (06.02.2014 um 21:23 Uhr)

  5. #5
    Administrator Avatar von peter
    Registriert seit
    06.02.2010
    Beiträge
    748
    Blog-Einträge
    1
    Downloads
    57
    Uploads
    21

    Standard Re: AW: Harley Fahrtechnik, European Road Runner 2013, Claudia

    Claudias Bericht

    Hier ist noch der Bericht von Claudia, wie sie diese Rally gesehen hat.



    1694 Kilometer mit dem Motorrad in 24 Stunden - warum eigentlich, wer macht so was? Eine Rallye quer durch die Hälfte von Deutschland – einmal von Bamberg nach Rügen, links vorbei an Berlin hoch in den Norden und dann wieder runter, Ende September. Warum? Ich mache so was und ich weiß eigentlich nicht warum. Außergewöhnliche Sachen reizen mich. Dennoch, warum tue ich mir sowas an? Kälte und Schlafentzug? Außergewöhnlich geht auch anders. Jetzt, wo alles vorbei ist, bin ich schlauer: Dieser eine Tag und diese eine Nacht haben mir im Umgang mit meinen Gefühlen soviel Erkenntnis und Erfahrung gebracht, wie ich "gefühlt" sonst in 3 Leben nicht gemacht hätte.

    Seit langem merke ich, das was ich denke und fühle ist nicht förderlich für meine Ziele und Wünsche. Ich sorge mich, ich habe Bedenken, Furcht. An sich immer dasselbe. Ich arbeite dagegen an - schon seit Jahren, doch diese Gefühle sind so real, dass ich irgendwie doch nicht geglaubt habe, sie wirklich in den Griff zu bekommen, obwohl ich in dieser Hinsicht schon einigen richtig guten Input bekommen habe. Nun ja, stur wie ich bin, hat´s halt nicht richtig geklappt mit der Erkenntnis - und stur muss man vielleicht auch sein, um so eine Rallye mitzumachen.

    Gut und dann kam diese Fahrt, ich glaube nicht, dass es mir um "Ruhm und Ehre" geht und ging - denn bis heute macht sich so richtig kein Gefühl des Stolzes in mir breit. Dafür etwas viel Wichtigeres: nach dieser Fahrt kann ich ganz bewusst meine Gefühle erkennen, beherrschen, drehen und wenn´s gar nicht anders geht und ich sie nicht stoppen kann, dann kann ich trotz der tobenden Gefühle anders handeln - also Gefühle und Handeln trennen. Was für eine Erlösung - ich fühle ja wie oben schon gesagt, einen Haufen Mist, so über den ganzen Tag verteilt.

    Diese Fahrt war eine Fahrt durch Gefühle und Emotionen, von der Hinfahrt zur Rally bis zur Rückfahrt. Seitdem ich mich vor knapp einem ¾ Jahr angemeldet habe, habe ich 8 Kilo abgenommen, ich habe wieder mit Sport angefangen, mein Motorrad hat eine Windschutzscheibe erhalten, der Sitz einen Airhawk-Kissen Ich habe angefangen, wenigsten einige technische Details in Besitz zu nehmen, den Umgang mit Navi und Karte vermehrt geübt.

    Es hat sich gezeigt, dass diese Vorbereitung nicht schlecht waren, aber auch nicht gut genug. Ich habe mich nicht ausreichend auf die Kälte vorbereitet. Zwar habe ich noch in letzter Sekunde eine Elektrohose gekauft, diese aber nicht mehr ausprobiert. Zudem wusste ich nicht, dass es Thermoanzüge gibt. Ich wusste, dass die GPS Daten als GPX Daten weiter gegeben werden. Bei meiner Vorbereitung habe ich es zwar geschafft solche Daten auf meinen Computer zu laden - geht mit Google Earth. Wie sie auf mein Navi kommen, habe ich nicht mehr ausprobiert. Denn da habe ich mich auf meinen Teampartner verlassen - Peter ist da Profi. Dennoch, ich hätte das zu Ende denken sollen.

    Für mich war auch das eine der "Erkenntnisse" so ein typisches Frauenverhalten - da verlasse ich mich auf den Mann - noch mehr abzulegen. Ich habe da ganz zum Schluss bei der Vorbereitung doch noch die Verantwortung abgeben, genau da, wo es mich am meisten Änderung gekostet hätte. Es war also nicht so, dass ich es nicht hätte können, ich habe einfach die Verantwortung abgegeben, obwohl ich hier leicht für Unabhängigkeit hätte sorgen können. Im Gegensatz zur Reparatur der Maschine. Hier weiß ich, um etwas dort zu reparieren, brauche ich Unterstützung, dieses Wissen will und kann ich nicht mehr nachholen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich ohne Reparatur bei so einer Rally durchkomme, ist aber meines Erachtens groß und damit kein Hindernis.

    Ich war also vom Teamfahren abhängig. Wir – Peter und ich - sind zusammen gefahren. Diese Entscheidung haben wir relativ kurzfristig getroffen, wir ist geflunkert, Peter war so großzügig, mich da nicht alleine sitzen zu lassen. Diese Abhängigkeit stört mich im Nachhinein. Zudem hat meine ungenügende Vorbereitung hinsichtlich der warmen Kleidung bei jedem Stopp für Verzögerung gesorgt und das Team aufgehalten. Das wäre mit noch einem kleinen Stück selbstständigen Denkens nicht passiert. Und doch hat auch diese Geschichte zwei Seiten „der Medaille“, wäre ich alleine gefahren, hätte ich nicht die Fahrt mit Peter gemacht. Doch mit ihm zu Reisen ist eine Bereicherung und ich bin glücklich diese 24 Stunden mit ihm „durchgezogen“ zu haben.

    Ok, wieder ein Stück schlauer. Doch wie war das mit den Gefühlen, Gedanken und Emotionen. Die gesamten 24 Stunden ging es bei mir um Gefühle, real oder nicht real? Das war die Frage. Schon vor dem Start war ich müde. Ich hatte nur 3,5 Stunden Schlaf. Die Vorbereitung für die Rallye ging am Freitag ab 15.00 Uhr los. Ab da wurden die Daten für die Route ausgegeben. Wir kamen etwas spät an und haben uns mit der Planung verschätzt. So kam es, dass ich nur wenig Schlaf hatte, bevor es am Samstag um 8.00 Uhr morgens los ging.

    So von außen gesehen hört sich das völlig bescheuert an. Ich bin jemand, der 8 Stunden Schlaf braucht und dann vor so einer Fahrt nur 3,5 Stunden zu schlafen? Tock, tock. War aber so, wir hatten uns mit der Routenplanung verschätzt und waren bis knapp vor 2 Uhr morgens damit beschäftigt, die Route zu planen (erübrigt sich zu sagen, dass auch hier ich die Verantwortung abgegeben habe – Man(n) wird schon machen). Peter hatte ein Laptop dabei und konnte die GPX Daten rein laden. Und hätte Peter nicht eine WLAN Verbindung über sein Handy aktivieren können, wären wir aufgeschmissen gewesen. Denn der WLAN des Hotels hatte nicht funktioniert – keine Ahnung wie die anderen das gemacht haben.

    Samstag morgen 5.30 Uhr aufstehen, anziehen, vernünftig frühstücken, los zum Startpunkt fahren. Andere waren schon früher dran. Ok, egal, wir waren da und dabei. Und pünktlich um 8.00 Uhr ging es dann los. Die Aufgaben waren, sammle soviel Punkte wie möglich. Punkte gab es durch Anfahren von bestimmten Stellen, die mit Fotografien belegt werden mussten. Die Organisation war perfekt. Die Stimmung gut. Das Wetter klasse.

    Und ich war müde, müde, müde. Und da fing es an, die Entkopplung zwischen Gefühlen und Tun. Ja ich war real müde und ja es hat mich nicht davon abgehalten, ordentlich zu fahren. Diese Müdigkeit hat mir den Spaß an der schönen Strecke genommen. Vor der Nacht hatte ich gar nicht soviel Sorgen, denn ich wusste, irgendwann kippt ja so eine Müdigkeit wieder und so war´s auch.

    Bei der ersten Fähre nach Rügen bin ich wacher geworden. Gerade ging die Sonne extrem romantisch unter, verzauberte das Meer, die Schwäne, die über seichte Wellen sich tragen ließen, oben im Himmel Vogelschwärme, die sich auf in Richtung Süden machten, alles eingetaucht in Rosa und Hellblau. Blau, dunkelblau und schwarz und damit erwachte meine nächste Herausforderung - die Kälte. Mein Elektroanzug hat teilweise nicht getan und oft bin ich hinter Peter hergefahren, habe mit einer Hand nach dem Wackelkontakt gesucht oder an der Wärmeregelung rumgedrückt, in der Hoffnung, dass dieses blöde Ding sich einschaltet, hat es aber irgendwann überhaupt nicht mehr getan.

    Peter meinte er nimmt sich der Sache bei einer Autobahnraststätte an, die kam aber nicht - denn wir waren ja auf Rügen (da gibt es keine Autobahn…). Irgendwann habe ich dann verzweifelt mitten an einer dunklen Stelle - wir hatten gerade einen Steg am Meer fotografiert - meinen Sitz abmontiert und nach der Schwachstelle gesucht. Blödsinn, von meiner technischen Unfähigkeit habe ich ja bereits erzählt. Also nix gefunden, Zeit verplempert, Peter war sauer, da wir wertvolle Zeit verloren hatte. Ok und damit bin ich dann in dieser Kälte hinter ihm hergefahren.

    Im Nachhinein weiß ich auch nicht, warum ich nicht mich mehr "durchgesetzt" habe, denn es gab einige beleuchtete Tankstellen, an denen wir früher halten hätten können. Es war gruselig kalt. Ich bin hinter ihm her gefahren, weil ich ihn nicht weiter aufhalten wollte. Ich fahre selber ganz gerne vorne und nichts ist ätzender, wenn die Mannschaft hinten mir ihr eigenes Süpplein kocht. Da ich das weiß, fahre ich konsequent ordentlich hinter her, egal ob mir das gerade gefällt, ich anders fahren würde oder grad mal schneller oder langsamer. Ich fahre hinterher und das habe ich gemacht. Zum Glück hat mir Peter dann irgendwo zwischen Rügen und Bamberg mitten in der Nacht bei knapp vor Null Grad, an einer Tankstelle die Elektroheizung reparieren können.

    Nachdem dann die Heizjacke getan hat, war das Thema Kälte für mich ok und genau da ist mir was anderes eingefallen – auf einmal konnte ich meine Hände nicht mehr bewegen. Ich konnte kein Gas mehr weg oder dazu geben, die Handgelenke waren auf „Null“ gesetzt. Ich bin vor mich her gefahren und habe mich gefragt: „Claudia, wenn das jetzt wirklich real ist, muss du aufgeben, willst du das wirklich“. Nein ich wollte nicht aufgeben, das Ziel war klar gesetzt, ankommen – mit über 1.600 Kilometer (denn da gibt es eine Auszeichnung namens Saddle Sore 1600K, die nicht jeder hat.) und einer einigermaßen guten Punktezahl. Also meine Handgelenke haben WIRKLICH nicht mehr funktioniert. Ich habe mich anderes entschieden und seitdem keinerlei Probleme mehr gehabt.

    Dann kamen die Stimmen. Genau weiß ich nicht mehr, wann es war – es war stockdunkel, die roten Lampen der Windräder erzeugten eine surrealistisches Umfeld und da höre ich sie Stimmen, Unterhaltungen, deutlich und klar und dennoch Wortfetzen. Das hat mich irgendwie amüsiert – es war mir egal. Gegen 2.00 Uhr hat Peter eine Autobahnraststätte angesteuert – gerade noch rechtzeitig. Denn die Rallye schreibt eine Pause von genau einer Stunde zwischen 23.00 Uhr und 2.00 Uhr (Anfangszeit) vor. Dort angekommen haben wir eine Suppe gegessen, ich bin sofort eingeschlafen und dann ging es auch schon wieder weiter.

    Was dann kam war die Stunde des „Einnickens“, ich war so müde, dass ich während des Fahrens fast weggenickt bin, doch weil meine Arme dann nachlässig wurden, bin ich jedesmal wieder munter geworden. Von außen drauf geschaut, hört sich das auch „wahnsinnig“ an. Jaaa, kann sein, das geht schon an die Grenzen, dennoch mit einem Ziel vor Augen und der Gewissheit, dass man heute gut übersteht, geht sowas auch.

    Danach war es für mich eher ein Kinderspiel. Wir mussten mächtig Gas geben, da wir noch 300 Kilometer vor uns hatten, aber nur noch 2 ½ Stunden, um rechtzeitig anzukommen – dazwischen einige am Vortag zumindest sehr ärgerliche Baustellen. Naja, morgens um 7.00 Uhr waren diese nicht verstopft. Durch nebelverhängte Täler sind wir im flotten Tempo Richtung Ziel gedüst.

    Da waren wir dann rechtzeitig, mit einer ganz guten Punktzahl, einer Saddle Sore Auszeichnung und etlicher weiterer Bereicherungen: Das was ich für real empfinde, kann ich steuern. Und zumindest kann ich entgegen meiner Gefühle handeln. UND ich brauche ein Ziel, hätte ich das nicht gehabt, wäre ich schon nach drei Stunden vom Motorrad gekippt. Und jetzt kommt die Dankesrunde – Danke Peter, dass du mich da mitgenommen hast, Danke liebe Organisatoren, dass ihr so professionell so eine Aktion auf die Beine stellt und Danke liebe Teilnehmer, dass ihr solche Herausforderungen mitmacht und damit aufzeigt, was so alles möglich ist.
    Geändert von peter (06.10.2013 um 20:52 Uhr)

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •